Erster mRNA-Grippeimpfstoff für Ältere von FDA zugelassen
Die Impfstofftechnik hinter den Corona-Impfungen schützt jetzt erstmals auch gezielt Menschen über 50 vor Grippe.
Impfstoffe schützen die Menschheit schon seit Jahrhunderten zuverlässig vor Infektionskrankheiten – ihre Entwicklung war jedoch traditionell aufwendig, weil für jeden Erreger eigene Herstellungsverfahren entwickelt werden mussten. Mit den mRNA-Impfstoffen gegen Covid-19 änderte sich das: Die Technik funktioniert nach einem übertragbaren Baukastenprinzip, das sich mit vergleichsweise geringem Zusatzaufwand auf neue Erreger anpassen lässt.
Am 5. August 2026 hat die US-Arzneimittelbehörde FDA nun einen weiteren mRNA-Impfstoff zugelassen: eine saisonale Grippeimpfung für Erwachsene ab 50 Jahren, die einen besseren Schutz bietet als die bisherigen Standardimpfstoffe. Das Grundprinzip von mRNA-Impfstoffen: Boten-RNA, kurz mRNA, besteht aus vier chemischen Bausteinen und trägt die genetische Bauanleitung für ein bestimmtes Eiweiß in sich.
Verpackt in winzige Fettkügelchen von etwa 100 Nanometern Durchmesser gelangt die mRNA in Körperzellen, die daraufhin selbst das entsprechende Eiweiß herstellen. Bei den Corona-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna bringt die mRNA die Zellen dazu, ein harmloses Stück des Coronavirus-Spikeproteins zu produzieren, an dem das Immunsystem lernt, den echten Erreger zu erkennen.
Der große Vorteil aus Sicht der Impfstoffentwicklung: Verschiedene mRNA-Impfstoffe, die mit denselben Methoden hergestellt werden, verhalten sich im Körper ähnlich vorhersehbar – das senkt Entwicklungsrisiken und Kosten erheblich. Damit die mRNA vom Immunsystem nicht fälschlich als Virusangriff erkannt und abgestoßen wird, verändern Forschende gezielt einen ihrer Bausteine, das Uridin – eine Entdeckung, für die 2023 der Medizin-Nobelpreis vergeben wurde. Der neue Grippeimpfstoff baut auf genau diesen etablierten technischen Grundlagen auf, weshalb die Zulassung als Beleg dafür gilt, dass sich die mRNA-Technologie über Corona hinaus bewährt.
Perspektivisch arbeiten Forschende bereits an mRNA-Ansätzen, die über klassische Impfstoffe hinausgehen – etwa an einer einmaligen mRNA-Gentherapie gegen die seltene erbliche Erkrankung Transthyretin-Amyloidose, bei der sich fehlgefaltete Eiweiße in Herz und Nerven ablagern. Solche Anwendungen sind bislang aber die Ausnahme, weil therapeutische mRNA im Körper nur rund einen Tag aktiv bleibt – für Impfstoffe reicht das, für viele andere Therapien noch nicht. Weitere technische Fortschritte, etwa längere Wirkdauer und weniger Verunreinigungen bei der Herstellung, sollen künftig auch andere mRNA-basierte Medikamente ermöglichen.
Für Millionen Menschen ab 50 Jahren, eine besonders grippegefährdete Altersgruppe, bedeutet die aktuelle Zulassung schon jetzt konkret: besseren Schutz vor einer Krankheit, die jedes Jahr Zehntausende Menschen ins Krankenhaus bringt.
Belegt durch
- Archiv vor September 2026, nicht nach heutigem Verfahren geprüft. Berichtet von The Conversation.