124 Millionen Haushalte in Indien haben jetzt Leitungswasser
In sechs Jahren stieg der Anteil ländlicher Haushalte mit Wasseranschluss in Indien von 17 auf über 80 Prozent.

Vor sechs Jahren hatte in Indiens ländlichen Regionen nicht einmal jede sechste Familie einen eigenen Wasseranschluss zu Hause. Wer kein fließendes Wasser hatte, musste weite Wege zu Brunnen oder offenen Wasserstellen zurücklegen – eine Aufgabe, die in Indien traditionell vor allem Frauen und Mädchen übernehmen und die Zeit kostet, die dann für Schule, Arbeit oder Erholung fehlt. Verunreinigtes Wasser aus solchen Quellen begünstigt zudem Durchfallerkrankungen und andere Infektionen.
Wie stark sich das inzwischen verändert hat, zeigen Zahlen, die Indiens Gesundheitsminister V. Somanna kürzlich schriftlich im Oberhaus des Parlaments, der Rajya Sabha, vorlegte: Mit Stand 16. Juli haben 156,7 Millionen der insgesamt 193,6 Millionen ländlichen Haushalte einen Wasseranschluss – mehr als vier von fünf. Als die Regierung im August 2019 das Programm Jal Jeevan Mission startete, dessen voller Name „Har Ghar Jal“ so viel bedeutet wie „Wasser für jedes Zuhause“, waren es gerade einmal 32,3 Millionen Haushalte, etwa 16,7 Prozent. Die Differenz von 124 Millionen zusätzlichen Haushalten mit eigenem Anschluss entstand in nur sechs Jahren.
Möglich wurde das durch ein Zusammenspiel aus Zentralregierung und Bundesstaaten: regelmäßige gemeinsame Überprüfungen, Teams, die gezielt in langsamer vorankommende Regionen geschickt wurden, und zusätzliches Geld. Als während der Corona-Pandemie und den anschließenden Lieferengpässen die Kosten stiegen, wurden im Juni 2022 die Förderrichtlinien angepasst, um mehr Mittel aus dem Staatshaushalt bereitzustellen.
Dass die neuen Anschlüsse auch tatsächlich funktionieren, bestätigte eine unabhängige Untersuchung aus dem Jahr 2022: Bei 86 Prozent der angeschlossenen Haushalte liefen die Wasserhähne tatsächlich, und von diesen erhielten 85 Prozent ausreichend Wasser, 80 Prozent nach einem regelmäßigen Zeitplan und 87 Prozent in geprüfter Qualität. Eine weitere Untersuchung für das Jahr 2024 läuft bereits, und die Daten zu jedem einzelnen Bezirk und Dorf sind öffentlich einsehbar.
Für die betroffenen Familien bedeutet der Anschluss vor allem eines: Alltag, der leichter wird. Kein täglicher Fußmarsch mehr zur nächsten Quelle, weniger Krankheiten durch verschmutztes Wasser, mehr Zeit für Kinder, Arbeit oder Schule. Dass ein derart großer Infrastrukturausbau in so kurzer Zeit gelang, macht die Jal Jeevan Mission zu einem der größten Wasserversorgungsprogramme weltweit – und zu einem Beispiel dafür, wie viel sich mit gezielter staatlicher Investition in kurzer Zeit verändern lässt.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„In Indien haben jetzt 124 Mio. Haushalte mehr Wasser aus dem Hahn."
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