Texas baut riesige Solaranlage auf altem Kohle-Gelände
1,2 Gigawatt Solarstrom entstehen direkt neben einer Kohlemine – Solarenergie erzeugt in Texas 2026 mehr Strom als Kohle.
In Bremond, Texas, etwa auf halbem Weg zwischen Dallas und Houston, entsteht direkt neben einer aktiven Kohlemine eine der größten Solaranlagen der USA. Das Investmentunternehmen Panamint Capital hat mit dem Bau der Anlage „Big Rooter Power" begonnen, die am Ende 1,2 Gigawatt Leistung liefern soll – umgerechnet reicht das für rund eine Viertelmillion Haushalte. Das 1,7 Milliarden Dollar teure Projekt nutzt Flächen und Infrastruktur des benachbarten Kohlekraftwerks Twin Oaks und der Calvert-Kohlemine, die laut Panamint beide weiterlaufen sollen.
Nach eigenen Angaben des Unternehmens ist es die größte Solaranlage, die je auf einem sogenannten Brownfield – also bereits industriell genutztem, „verschmutztem" Gelände – in Nordamerika gebaut wurde. „Wir glauben, dass der Ausbau neuer Kapazitäten an bestehenden Energiestandorten der klarste Weg ist, Gemeinden, Stromkunden und Umwelt gleichermaßen zu nutzen", sagt Panamint-Chefin Apolka Totth. Die erste Bauphase mit 491 Megawatt soll im August 2028 ans Netz gehen, die restlichen 658 Megawatt ein Jahr später – dazu kommen 1,6 Gigawattstunden Batteriespeicher und rund 32 Kilometer neue Hochspannungsleitungen auf dem gut 4.000 Hektar großen Gelände.
Der Standort ist Teil eines wachsenden, aber noch kleinen Trends in den USA, stillgelegte oder aktive Kohlestandorte für Solarenergie umzuwidmen – etwa das „Tilden Solar Project" in Illinois oder das „Martin County Solar Project" in Kentucky, die beide im vergangenen Jahr auf früheren Kohlemine-Flächen ans Netz gingen. Solche Brownfield-Projekte haben einen klaren Vorteil: Sie umgehen die Konflikte, die entstehen, wenn Solaranlagen auf fruchtbarem Ackerland gebaut werden – ein Streitpunkt, der in vielen ländlichen Regionen der USA zuletzt lauter wurde. Texas selbst profitiert schon jetzt: Der Bundesstaat wird 2026 erstmals mehr Strom aus Solarenergie erzeugen als aus Kohle, angetrieben von der steigenden Stromnachfrage durch Rechenzentren, Fabriken und mehr Klimaanlagen bei zunehmender Hitze.
Allerdings zeigt das Projekt auch die Widersprüche der aktuellen US-Energiepolitik. Die Regierung unter Präsident Trump strich vergangenes Jahr Steuervergünstigungen für Solar- und Windkraft, die zuvor Brownfield-Projekte wie dieses gefördert hatten. Panamint konnte sich die Förderung für Big Rooter nach eigenen Angaben noch rechtzeitig sichern, weil wichtige Bauteile wie Transformatoren bereits vor der Gesetzesänderung bestellt worden waren. Trotz des fortgesetzten Kohlebetriebs in unmittelbarer Nachbarschaft sehen Umweltorganisationen wie die Nature Conservancy den Trend positiv: Sie entwickelt derzeit selbst 25 Solar- und Speicherprojekte auf ehemaligen Minenflächen im sogenannten Cumberland Forest in Kentucky, Tennessee und Virginia. „Die Bundespolitik für saubere Energie auf Minengelände hat sich verändert, aber die Chance ist geblieben", sagt Jessica Wilkinson von der Nature Conservancy. Bundesstaaten wie Ohio und Colorado haben inzwischen eigene Gesetze verabschiedet, um genau solche Projekte auf früheren Industrieflächen zu fördern.
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„Direkt neben einer aktiven Kohlemine in Texas entsteht gerade eine der größten Solaranlagen Nordamerikas – 1,2 Gigawatt."
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