Abgeholzte Regenwälder erholen sich in nur einer Generation
Eine Studie aus Ecuador zeigt: Ohne Aufforstung kehren 90 Prozent der Artenvielfalt gerodeter Wälder in etwa 30 Jahren zurück.

Wird Regenwald gerodet, gilt der Verlust an Arten meist als etwas, das sich kaum wieder rückgängig machen lässt – eine neue Studie aus Ecuadors Chocó-Region zeichnet ein anderes Bild. Gerodete Flächen können demnach innerhalb einer einzigen menschlichen Generation bis zu 90 Prozent ihrer ursprünglichen Artenvielfalt zurückgewinnen, ganz ohne dass jemand aktiv nachpflanzt. Die im Fachjournal Nature veröffentlichte Studie bündelt Daten von mehr als 30 Forschungsgruppen, die über 10.000 Arten an 62 Standorten untersucht haben – von bewirtschafteten Farmen bis zu Flächen, die seit Jahren wieder zuwachsen. „Regenwälder zeigen als komplexe, artenreiche Ökosysteme eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit und die Fähigkeit, in ihren Ursprungszustand zurückzukehren“, sagt Studienleiter Timo Metz. Diese Stabilität sei zwar seit Jahrzehnten theoretisch modelliert worden, aber bislang habe es keine derart umfangreichen empirischen Daten gegeben, um sie tatsächlich zu belegen. Konkret zeigen die Zahlen: Ohne jede Wiederaufforstungsmaßnahme kehren 75 Prozent der Artenzusammensetzung und 90 Prozent der Artenvielfalt innerhalb von rund 30 Jahren zurück. Mitautor Martin Schaefer ordnet das ein: „Unsere Ergebnisse zeigen, wie wirksam wir Natur schützen können, wenn 75 Prozent der Artenzusammensetzung und 90 Prozent der Artenvielfalt von selbst innerhalb einer menschlichen Generation zurückkehren.“ Allerdings verläuft die Erholung nicht bei allen Arten gleich schnell: Vögel und Fledermäuse besiedeln gerodete Flächen früh, während Bodenbakterien, spezialisierte Insekten und große Bäume mit dichtem Kronendach teils jahrzehntelang hinterherhinken. Der eigentlich interessante Befund betrifft den Mechanismus dahinter: Tiere folgen der Vegetation nicht nur, sie treiben ihre Rückkehr aktiv voran. „Fledermäuse, Affen und andere Säugetiere sowie Vögel bringen Baumsamen zurück in die gerodeten Flächen, Mistkäfer vergraben die Samen im Boden, und Hunderte weiterer Tierarten sorgen für die Bestäubung“, erklärt Mitautor Nico Blüthgen. Weil mobile Arten früh eintreffen und damit die Bedingungen für die nächste Welle schaffen, verstärkt sich der Erholungsprozess selbst – ein Grund, warum manche Flächen schneller gesundeten, als die bisherigen Modelle erwarteten. Ohne diese tierische Unterstützung könnten sich Wälder nur von den Rändern benachbarter Flächen aus neu ansiedeln, ein deutlich langsamerer Weg. Auch die frühere Nutzung des Landes spielt eine größere Rolle als gedacht: Ehemalige Kakao-Plantagen, auf denen einzelne Bäume stehen blieben, erholen sich schneller, weil die verbliebene Struktur sofort Lebensraum und Schatten bietet. Aufgegebenes Weideland hat es dagegen schwerer, weil dichte Gräser jahrelang den Sämlingen Konkurrenz machen und ihr Wachstum ausbremsen. Für den Naturschutz bedeutet das: Nicht jede Fläche ist gleich viel wert, die verbliebene Baumdeckung verändert die Rechnung erheblich. Das alles macht alte, unberührte Wälder nicht überflüssig – im Gegenteil, sie liefern die Samenquellen, Tierpopulationen und Bodenmikroben, von denen sich nachwachsende Wälder überhaupt erst erholen können. „Indem wir Land kaufen und schützen, können wir die Vielfalt des Lebens bewahren und die Grundlagen unserer Gesellschaften erhalten – Boden, Wasser und die Bestäubung der Pflanzen, die unsere Ernährung sichern“, fasst Schaefer zusammen.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Abgeholzter Regenwald in Ecuador hat sich fast von selbst erholt: 90 Prozent der Artenvielfalt kamen in nur 30 Jahren zurück – ganz ohne Wiederaufforstung."
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