Brasiliens Amazonas-Schutzgebiete: 79 % Finanzierungslücke
Studie zeigt: 72 % der Schutzgebiete sind unterfinanziert – Amazonas besonders betroffen

Für die Schutzgebiete im brasilianischen Amazonasgebiet stellt sich eine grundlegende Frage nicht entlang von Grenzlinien auf der Landkarte, sondern in den Budgets der Verwaltung. Ein Reservat mag rechtlich existieren, in internationalen Zusagen auftauchen und in offiziellen Statistiken als geschützt gelten – vor Ort entscheidet jedoch das Vorhandensein von Personal, Treibstoff, Booten, Funkgeräten, Grenzmarkierungen, Feuerwehren, Überwachung und Gemeindearbeit darüber, ob es tatsächlich geschützt ist. Ohne diese Mittel ist ein Schutzgebiet nur im engen administrativen Sinne geschützt.
Eine neue Studie in der Fachzeitschrift Environmental Conservation beziffert diese Lücke nun erstmals präzise. Helenilza Ferreira Albuquerque Cunha und ihr Team untersuchten die Finanzierungsdefizite von 300 bundesstaatlichen Schutzgebieten Brasiliens zwischen 2014 und 2023. Diese Gebiete umfassen fast 750.000 Quadratkilometer – den Großteil der von der Bundesbehörde ICMBio verwalteten Flächen. Die Forscher verglichen die tatsächlichen Ausgaben mit evidenzbasierten Schätzungen der Mindestkosten für das Management jedes einzelnen Gebiets.
Die Ergebnisse sind alarmierend: Im Jahr 2023 waren 72 Prozent der untersuchten Schutzgebiete unterfinanziert. Das kumulierte Defizit belief sich auf umgerechnet rund 958 Millionen US-Dollar in Kaufkraftparität. Besonders gravierend ist die Lage im Amazonasgebiet: Dort betrug das durchschnittliche Finanzierungsdefizit 79,2 Prozent – die Gebiete erhielten also nur etwa ein Fünftel dessen, was sie benötigen. Im Atlantischen Regenwald lag das Defizit bei 27,6 Prozent.
Diese Zahlen machen deutlich, dass der Schutz des Amazonas nicht allein durch Gesetze und Grenzziehungen gewährleistet werden kann. Ohne ausreichende Finanzierung bleiben selbst die ambitioniertesten Schutzgebiete Papierform. Die Studie liefert damit eine empirische Grundlage für die Debatte um internationale Klimafinanzierung und die Verantwortung der Industrienationen, die von den Ökosystemleistungen des Amazonas profitieren.
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