England macht Schulessen gesünder – erstmals seit über 10 Jahren
Frittiertes wird eingeschränkt, mehr Gemüse Pflicht – zusätzlich bekommen 500.000 Kinder kostenloses Mittagessen.
Zwei Jahrzehnte nach der Fernsehkampagne von Starkoch Jamie Oliver gegen Chicken Nuggets und Pommes in britischen Schulkantinen nimmt die englische Regierung einen neuen Anlauf: Die Standards für Schulessen werden zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren überarbeitet.
Der Handlungsdruck ist real. Eine Regierungsumfrage zeigt, dass sich drei von vier Eltern in England Sorgen um das Schulessen ihrer Kinder machen. Und laut Gesundheitsbehörden verlässt heute jedes dritte Kind die Grundschule übergewichtig oder mit Adipositas.
Die neue Regelung verbietet künftig frittierte Gerichte wie Chicken Nuggets und Pommes komplett aus den Kantinen. Zuckerhaltige Nachspeisen wie Donuts oder Kuchen dürfen nur noch einmal pro Woche serviert werden, den Rest der Woche gibt es stattdessen Obst. Gleichzeitig schreiben die neuen Standards vor, mehr Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Gemüse auf die Teller zu bringen.
Neben der Qualität des Essens weitet die Regierung auch den Zugang aus: Alle Kinder aus Familien, die Sozialleistungen (Universal Credit) beziehen, erhalten künftig automatisch kostenloses Schulessen – zusätzlich rund 500.000 Kinder in ganz England.
Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt die Greenside Primary School im Westen Londons schon heute: Statt Fisch mit Pommes gibt es dort Kichererbsen mit würzigem Reis, geröstete Süßkartoffeln und selbstgebackenes Focaccia-Brot aus dem hauseigenen „Breaducation“-Programm, bei dem Kinder beim Backen mitmachen. Übrig gebliebenes Brot wird am Nachmittag an Eltern verkauft.
Dass gesündere Küchen allein nicht reichen, betont die Ernährungsautorin Bee Wilson: Wenn Kinder neue Gerichte nicht kennen, landet ein Großteil davon im Müll. Deshalb setzen Initiativen wie „Try Something New Day“ an Schulen in ganz England zusätzlich auf Verkostungen – einmal pro Woche rollt eine Lehrkraft einen Wagen mit ungewohnten Zutaten wie Kohlrabi oder Blutorangen durch die Klassen, damit Kinder sie probieren, bevor sie im Kantinenessen auftauchen.
Die endgültige Fassung der neuen Standards soll nach einer öffentlichen Konsultation noch in diesem Jahr veröffentlicht werden und ab September 2027 verbindlich gelten. Das Bildungsministerium argumentiert, die Umstellung müsse Schulen nicht zwangsläufig teurer kommen – wird zum Beispiel Fleisch teilweise durch pflanzliches Eiweiß ersetzt, sinken mancherorts sogar die Kosten.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„England schafft frittiertes Schulessen fast ab und gibt 500.000 Kindern zusätzlich kostenloses Mittagessen."
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