Nepals Tigerzahl hat sich seit 2010 fast vervierfacht
429 wilde Tiger leben heute in Nepal – neue Nationalparks treiben das Wachstum, ältere stagnieren.
Am Welttigertag verkündete Nepal eine bemerkenswerte Zahl: Schätzungsweise 429 wilde Tiger streifen mittlerweile durch die Wälder des Landes. Vor vier Jahren waren es 355, vor 16 Jahren – als sich die Tiger-Länder der Welt 2010 auf ein gemeinsames Rettungsziel einigten – nach Behördenangaben nur ein Bruchteil davon.
Für Nepal, ein vergleichsweise kleines Land zwischen Indien und China, ist das eine der eindrucksvollsten Erfolgsgeschichten im weltweiten Artenschutz. Bed Kumar Dhakal, Sprecher der nationalen Naturschutzbehörde, führt den Erfolg auf ein Bündel von Maßnahmen zurück: besseren Schutz der Lebensräume, konsequentere Wilderei-Bekämpfung, den Schutz der Beutetiere, von denen Tiger leben, sowie der sogenannten biologischen Korridore, über die Tiger zwischen Schutzgebieten wandern können.
Ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt allerdings: Der Zuwachs verteilt sich sehr ungleich über das Land. Fast das gesamte Wachstum konzentriert sich auf die jüngeren Nationalparks Banke, Parsa und Shuklaphanta. Chitwan, der älteste und nach wie vor tigerreichste Park des Landes, wächst dagegen nur noch langsam, und im zweitältesten Park, Bardiya, sinkt die Zahl der Tiger sogar leicht.
Fachleute nennen drei mögliche Gründe für diese Kluft: unterschiedliche Wasserverfügbarkeit, die Bewegungsmuster der Tiere innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen sowie die Ausbreitung invasiver Pflanzenarten, die den natürlichen Lebensraum verändern.
Der ungleiche Erfolg hat eine Kehrseite: Studien deuten darauf hin, dass die neueren Parks, in denen die Tigerzahl am stärksten wächst, künftig auch mehr Konflikte zwischen Menschen und Raubkatzen erleben könnten – und dasselbe gilt für Leoparden in denselben Gebieten. Ein wachsender Tigerbestand bedeutet also nicht automatisch, dass die Arbeit getan ist: Er verschiebt die Herausforderung eher dorthin, wo Menschen und Tiere sich künftig öfter begegnen werden.
Für den weltweiten Naturschutz bleibt Nepals Bilanz trotzdem ein seltenes Beispiel dafür, dass ein international vereinbartes Artenschutzziel tatsächlich erreichbar ist – wenn auch mit Herausforderungen, die mit dem Erfolg selbst erst entstehen.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Nepal hat seine wilde Tigerpopulation seit 2010 fast vervierfacht – aktuell zählen sie 429 Tiere."
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