Erste Weltkarte der Seegraswiesen zeigt, was zu schützen ist
Mit Satellitenbildern und KI kartierten Forscher erstmals alle Seegraswiesen der Erde – nur 21 Prozent liegen in Schutzgebieten.
Es klingt paradox, aber es gibt eine Blume, die im Meer wächst: Seegras ist die einzige blühende Pflanze der Ozeane. In flachen Küstengewässern bildet sie ausgedehnte Unterwasserwiesen – und diese Wiesen leisten weit mehr, als man ihnen ansieht.
Sie sind Lebensraum und Kinderstube für unzählige Meerestiere. Vor allem aber sind sie ein stiller Klimaschützer: Seegraswiesen nehmen das Treibhausgas Kohlendioxid bis zu 35-mal schneller auf als Wälder an Land, speichern es im Meeresboden, schützen Küsten vor Erosion und filtern Schadstoffe aus dem Wasser.
Doch um etwas zu schützen, muss man erst einmal wissen, wo es überhaupt liegt. Genau hier setzt eine neue Studie an, die im renommierten Fachjournal Nature erschienen ist. Wissenschaftler der Arizona State University in den USA werteten Satellitenbilder mit Hilfe künstlicher Intelligenz aus und erstellten so die erste hochauflösende Weltkarte der Seegraswiesen.
Das Ergebnis: Rund 148.500 Quadratkilometer Seegras erfassten die Forscher weltweit – eine zusammenhängend gedachte Fläche, die größer ist als England. Fast 70 Prozent davon liegen vor den Küsten von nur fünf Ländern.
„Wir wollten Seegras sehr genau kartieren“, sagte Jiwei Li, Assistenzprofessor an der ASU-Fakultät für Ozean-Zukunft, der die Studie leitete, in einem Video-Interview mit Mongabay. „Und den Menschen zeigen, wo das Seegras ist und wo es die Möglichkeit gibt, es zu schützen.“
Genau darin liegt der praktische Wert der Karte. Denn bislang liegen nur 21 Prozent dieser Wiesen innerhalb von Meeresschutzgebieten. Zum ersten Mal lässt sich nun weltweit und im Detail sagen, wo dieser wertvolle Kohlenstoffspeicher noch ungeschützt ist – und wo Schutzmaßnahmen den größten Unterschied machen würden.
Die Wiesen stehen unter Druck durch Verschmutzung, Bebauung der Küsten und die Erwärmung der Meere. Eine genaue Landkarte ist die Voraussetzung dafür, sie gezielt zu erhalten, statt im Blindflug zu handeln.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Es gibt eine Pflanze, die im Meer blüht und CO2 bis zu 35-mal schneller schluckt als ein Wald. Forscher haben sie jetzt zum ersten Mal weltweit kartiert."
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