Esel halten Wälder in Spanien seit 9 Jahren brandfrei
Esel fressen trockenes Gestrüpp weg, das Waldbrände anfacht – im Nationalpark Doñana brannte es seit 9 Jahren nicht mehr.
Wenn im Sommer eine Hitzewelle über weite Teile Spaniens zieht, brennen andernorts oft ganze Landstriche – nicht so im Nationalpark Doñana im Südwesten des Landes. Dort ist es seit neun Jahren ruhig geblieben, obwohl die Region wie ihre Nachbarn unter Hitzedomen leidet, jenen tagelangen Hochdruckwetterlagen, die Böden und Vegetation stark austrocknen. Der Grund für die Ruhe hat vier Beine, lange Ohren und einen enormen Appetit: Esel.
Tiere wie Leonor, Ainoa und Ume grasen von März bis November täglich sieben Stunden lang entlang festgelegter Brandschneisen – rund 40 bis 45 Meter breite Streifen, auf denen trockenes Gestrüpp und Gras beseitigt werden, damit sich ein Feuer nicht ausbreiten kann. Jeder Esel trinkt dabei bis zu 30 Liter Wasser am Tag. Was zunächst nach einer improvisierten Notlösung klingt, funktioniert nach Angaben der Parkverantwortlichen inzwischen zuverlässiger als der Einsatz von Schafen oder Ziegen – und schont gleichzeitig empfindliche Lebensräume, etwa die des Pardelluchses und ziehender Vögel aus Europa und Afrika, für die Doñana ein wichtiges Rückzugsgebiet ist.
Der Ansatz hat historische Wurzeln: Esel haben in Spanien über Jahrtausende Felder, Wege und Wälder mitgeprägt, verschwanden aber mit der Industrialisierung und der Landflucht weitgehend aus der Landschaft. Genau diese Lücke, sagen Forschende, die den Anstieg der Waldbrände untersuchen, habe dazu beigetragen, dass sich brennbares Unterholz seither ungebremst ausbreiten konnte.
Inzwischen ziehen weitere spanische Regionen nach: Galicien, Katalonien, Ourense, Navarra und das Baskenland haben nach dem Vorbild Andalusiens eigene Esel-Brigaden aufgebaut. „Ein Esel wiegt dreimal so viel wie eine Ziege, also zerkleinert er beim Fressen die Vegetation deutlich wirksamer", erklärt Joan Cedó, der 2020 die Tivissa Donkeys Firefighters in Katalonien gründete. „Außerdem frisst ein Esel etwa zehnmal so viel wie eine Ziege – sein täglicher Effekt ist entsprechend größer." Seit der Einführung der Tiere habe es in seiner Gemeinde keine Waldbrände mehr gegeben, so Cedó.
Ergänzt wird das Konzept vielerorts durch Schaf- und Ziegenherden: Das 2016 gestartete Fire Flocks Project kartierte zunächst, wo Brände am häufigsten und heftigsten ausbrachen, und lässt dort inzwischen 22 Hirtinnen und Hirten – die Hälfte von ihnen neu im Beruf – Schafe, Ziegen und Rinder in 600 brandgefährdeten Gebieten weiden. Die daraus entstehenden Fleisch- und Milchprodukte werden inzwischen unter einer eigenen Marke verkauft.
So einfach die Idee klingt, so viel steckt dahinter: In einem Land, in dem Hitzewellen und Dürren durch den Klimawandel häufiger und intensiver werden, zeigt sich, dass eine jahrhundertealte, kostengünstige Methode oft wirksamer sein kann als teure Technik. Während anderswo noch über Löschflugzeuge und Sensorik diskutiert wird, kauen sich Esel in Doñana seit fast einem Jahrzehnt zuverlässig durch das Brandrisiko.
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„Diese Esel grasen 7 Stunden am Tag – und ihr Nationalpark hatte deshalb seit 9 Jahren keinen einzigen Waldbrand mehr."
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