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Frankreich: Wander-Ärzte versorgen Dörfer ohne eigenen Arzt

Über 1.000 Hausärzte helfen reihum je eine Woche aus – 15 Gesundheitszentren sind so bereits entstanden.

Ende 2020 hängte Dr. Jean-Luc Bernard nach über 40 Jahren als Hausarzt in der französischen Gemeinde Ajain seinen Kittel an den Nagel – und hinterließ eine Lücke, die sich nicht schließen ließ. Ajain, ein Ort mit rund 1.000 Einwohnern im Département Creuse im ländlichen Zentrum Frankreichs, fand trotz intensiver Suche keinen Nachfolger. Der damalige Bürgermeister Guy Rouchon versuchte alles, von Medienkampagnen bis zu Gesprächen mit Regionalbehörden – vergeblich. Ajain wurde zu einer sogenannten medizinischen Wüste: einem Gebiet, in dem laut französischer Definition weniger als 2,5 Arztbesuche pro Einwohner und Jahr stattfinden. Das Problem ist kein Einzelfall: Ein Bericht des französischen Senats von 2022 schätzt, dass rund 30 Prozent der Bevölkerung in solchen unterversorgten Gebieten leben, während 45 Prozent der Hausärzte von Erschöpfung berichten.

Im April 2022 erreichte Rouchon ein ungewöhnlicher Anruf. Der junge Mediziner Martial Jardel stellte ihm ein Konzept namens „geteilte Zeit“ vor: Statt einzelne Ärzte dauerhaft aufs Land zu locken, sollten viele Ärzte jeweils nur eine Woche in unterversorgten Orten aushelfen. Jardel war zuvor selbst fünf Monate lang mit einem Campingbus durch Frankreich gereist, um Kliniken zu besuchen, und rechnete vor: Von rund 100.000 Hausärzten in Frankreich könnten etwa 40.000 eine Woche im Jahr entbehren – schon 50 von ihnen würden reichen, um ein Gesundheitszentrum ein ganzes Jahr lang zu betreiben.

So entstand die Organisation Médecins Solidaires. Sechs Monate nach dem Anruf öffnete in einem ehemaligen Altersheim in Ajain das erste Gesundheitszentrum, die Räume stellte die Gemeinde kostenlos zur Verfügung. Allein im ersten Jahr kamen 48 Ärzte, es fanden 6.000 Konsultationen statt, 1.200 Patientinnen und Patienten wurden dauerhaft betreut. Seit September 2024 sind in Ajain wöchentlich zwei Ärzte im Einsatz, die Kapazität liegt inzwischen bei 2.500 Patienten, insgesamt zählte das Zentrum bereits 26.500 Konsultationen.

Mittlerweile haben sich mehr als 1.000 Hausärzte der Initiative angeschlossen, 15 Gesundheitszentren sind in vier Regionen Frankreichs entstanden. Die Ärztinnen und Ärzte erhalten für ihre Woche vor Ort 1.000 Euro netto, dazu übernimmt die Organisation Unterkunft und Fahrten. Laut internen Umfragen wollen 99 Prozent der teilnehmenden Ärzte zurückkehren, die Hälfte war bereits mehrfach dabei. Keines der 15 Zentren stand bislang auch nur eine Woche ohne Arzt da.

Jardel plant, bis Ende 2027 insgesamt 21 Gesundheitszentren zu eröffnen und das Modell dann finanziell auf eigene Füße zu stellen. Langfristiges Ziel ist es, zehn Prozent aller französischen Hausärzte für das Projekt zu gewinnen und damit rund 150 Zentren zu betreiben. Noch ist die Organisation auf kostenlose Räume der Gemeinden und die Bereitschaft der Ärzte angewiesen, für vergleichsweise wenig Geld zu arbeiten – doch das Prinzip, wenigen viel abzuverlangen durch viele, die jeweils ein wenig geben, hat sich als tragfähig erwiesen.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

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„In Frankreich gibt es Dörfer ganz ohne eigenen Arzt. Jetzt kommen reihum Mediziner für je eine Woche vorbei – schon 26.500 Behandlungen kamen so zustande."

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