Zurück
gemeinschaft Spanien · ES

In dieser spanischen Stadt gehören die Fabriken den Arbeitern

Im Baskenland gehört Europas größte Genossenschaftsgruppe ihren 70.000 Beschäftigten selbst – mit gerechteren Löhnen und weniger Ungleichheit.

In den Industriehallen von Fagor Arrasate im spanischen Baskenland stehen tonnenschwere Maschinen, die Teile für Kühlschränke, Waschmaschinen und Elektroautos fertigen. Wirtschaftlich betrachtet ist das Unternehmen ein gewöhnlicher, profitabler Industriebetrieb. Ein entscheidender Unterschied fällt jedoch sofort auf: Fagor Arrasate gehört nicht wenigen Investoren, sondern seinen rund 650 Beschäftigten selbst.

Das Unternehmen ist eine von 92 Genossenschaften der Mondragón Corporation, die 1956 von fünf Arbeitskollegen als kleine Ofenfabrik gegründet wurde und heute mehr als 70.000 Menschen beschäftigt – von Supermärkten über eine eigene Universität bis zu Solartechnik und Zugteilen. Mondragón ist damit die größte Gruppe von Genossenschaften weltweit, deren Mitglieder zugleich Eigentümer sind. „Man muss Gewinn machen, um Arbeitsplätze zu schaffen. Aber die Beschäftigten sollen mehr bekommen als nur ein anständiges Gehalt“, sagt Ander Etxeberria Otadui, der Besuchergruppen durch die Kooperative führt.

Kern des Modells ist die Gleichheit: Das Verhältnis zwischen höchstem und niedrigstem Gehalt ist auf sechs zu eins gedeckelt – in Spanien liegt dieser Abstand im Schnitt bei 110 zu 1, in den USA sogar bei 280 zu 1. Vom Jahresgewinn fließen 60 Prozent zurück ins Unternehmen, 30 Prozent gehen als Kapital an die Beschäftigten, und 10 Prozent fließen direkt in lokale Projekte wie Bildung, Armutsbekämpfung oder Umweltschutz. 2025 waren das mehr als 49 Millionen Euro. Zusätzlich hat jeder Beschäftigte bei Vollversammlungen dieselbe Stimme – vom Fließbandarbeiter bis zur Führungskraft.

Auch bei Krisen zeigt sich das Prinzip: Geht eine Genossenschaft pleite, was selten vorkommt, erhalten die Beschäftigten bis zu zwei Jahre lang 80 Prozent ihres Gehalts weiter und werden bevorzugt in anderen Kooperativen vermittelt. Als das Ehepaar Igor Herrate und seine Frau 2013 ihre Stelle durch die Pleite einer Genossenschaft verloren, hatten beide nach nur zwei Monaten wieder Arbeit. Während der Pandemie stimmten Beschäftigte mehrerer Kooperativen sogar dafür, vorübergehend eigene Gehälter zu senken, um die Krise gemeinsam zu überstehen.

Die Region um Mondragón, Alto Deba, verzeichnet heute einige der höchsten Familieneinkommen im Baskenland, eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten Spaniens und eine der geringsten Ungleichheiten weltweit. Wirtschaftlich profitabel ist das Modell ebenfalls: 2025 erzielte Mondragón einen Umsatz von 11,3 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 618 Millionen Euro – eine Studie der Rutgers University kommt zu dem Schluss, dass Genossenschaften wie diese mindestens so produktiv sind wie klassisch geführte Unternehmen.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

So erzählst du es weiter

„Stell dir vor: eine Firma mit 70.000 Beschäftigten, in der der Chef höchstens sechsmal so viel verdient wie die Reinigungskraft. Gibt es wirklich, seit 70 Jahren."

Der tägliche Lichtblick

Magst du solche Geschichten?

Hol dir jeden Morgen eine — kuratiert, belegt, werbefrei. Kein Doomscrolling.

Weiteres aus gemeinschaft