Kasachstan lässt erstmals wieder einen Tiger frei
Fast 80 Jahre nach dem Aussterben des Kaspischen Tigers wildert Kasachstan die erste Raubkatze für ein neues Wildnisprojekt aus.
Spätestens ab den 1970er-Jahren galt der Kaspische Tiger als endgültig ausgestorben – ausgerottet durch Wilderei und den Verlust seines Lebensraums, der einst von Zentralasien bis in die Türkei reichte. Tatsächlich starben die letzten Tiere in Kasachstan schon früher, um das Jahr 1948, aus.
Nun startet der zentralasiatische Staat ein ungewöhnliches Projekt: die Wiederansiedlung von Tigern in einem Teil ihrer einstigen Heimat rund um den Balkhash-See. Nach jahrelanger Vorbereitung wurde dafür ein erstes Tigerweibchen im Ile-Balkhash-Naturreservat freigelassen, wie die kasachische Zeitung „The Astana Times" berichtete. Das Tier gehört zur Unterart der Sibirischen Tiger, die eng mit dem ausgestorbenen Kaspischen Tiger verwandt und nach Einschätzung mancher Fachleute sogar mit ihm identisch ist.
Bereits am 31. Juli 2026 wurde die Tigerin mit einem Sender-Halsband ausgestattet in die Freiheit entlassen; sie trägt den Namen „Umit", kasachisch für „Hoffnung". Bald sollen drei weitere Tiere folgen – ein Männchen sowie zwei noch halbwüchsige Tiger, die aus Russland stammen und sich derzeit in einer speziellen Einrichtung im Reservat auf ihre Freilassung vorbereiten.
Die eigentliche Vorarbeit für das Projekt begann schon 2018, als die kasachische Regierung das Ile-Balkhash-Naturreservat auswies und den Schutz vor Wilderei dort deutlich verstärkte. Ziel war es, die Bestände von Wildschweinen, Bucharahirschen und anderen Pflanzenfressern zu erholen, denn sie bilden die wichtigste Nahrungsgrundlage für die Tiger. Nur wenn genug Beutetiere vorhanden sind, bleiben die Raubkatzen fern von besiedelten Gebieten und stellen keine Nutztiere nach – ein zentrales Kriterium für die Akzeptanz des Projekts vor Ort.
Parallel dazu liefen Aufforstungsprojekte, um den Auwald und andere Waldtypen der Region wiederherzustellen, die die Tiger als Lebensraum brauchen. Damit die lokale Bevölkerung die Rückkehr der Raubkatzen akzeptiert, begleitet eine breit angelegte Aufklärungskampagne das Projekt. Über das Senderhalsband wird zudem kontinuierlich überwacht, dass sich „Umit" nicht Siedlungsgebieten nähert – die nächstgelegene Ortschaft liegt derzeit rund 100 Kilometer entfernt.
Langfristig soll in der Region eine Population von bis zu 50 Tigern entstehen, wozu neben den vier Tieren aus Russland auch Nachkommen eines Zuchtpaars aus den Niederlanden beitragen könnten. Ob die Wiederansiedlung tatsächlich gelingt, lässt sich nach Einschätzung von Ökologen aber erst in einigen Jahrzehnten sicher beurteilen.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Der Tiger galt in Kasachstan seit fast 80 Jahren als ausgestorben. Jetzt läuft dort wieder einer frei herum — sie heißt 'Hoffnung'."
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