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Nach 100 Jahren: Seeadler in Irland vermehren sich wieder

Über 200 ausgewilderte Seeadler seit 2007 – Irlands Population gilt jetzt als selbsterhaltend.

Mehr als hundert Jahre lang gab es in Irland keinen einzigen wild lebenden Seeadler mehr. Der Seeadler, mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,5 Metern der größte Greifvogel Europas, wurde von Menschen systematisch gejagt, bis die gesamte irische Population verschwunden war. Jetzt zeigt ein neues Küken, wie weit die Rückkehr der Art inzwischen gediehen ist.

Im Fota Wildlife Park in der irischen Grafschaft Cork ist erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder ein Seeadler-Küken geschlüpft und flügge geworden. Die Eltern Áine und Tony hätten die anspruchsvolle Aufzucht souverän gemeistert, berichtet Jess Hodnett, Naturschutzbeauftragte des Parks für heimische Arten. Kein Wunder, dass die Fütterung fordernd ist: Während der Brutzeit müssen die erwachsenen Tiere täglich rund 500 bis 600 Gramm Nahrung heranschaffen, um den Nachwuchs zu versorgen.

Der eigentliche Fortschritt liegt jedoch nicht im einzelnen Küken, sondern im großen Ganzen. Ab 2007 begannen Irlands Nationalparkbehörde und das Norwegische Institut für Naturforschung gemeinsam mit Landwirten und lokalen Gemeinden, Seeadler an Standorten im ganzen Land wieder auszuwildern. Mehr als 200 Tiere wurden inzwischen freigelassen. Der entscheidende Meilenstein: Irlands Population gilt inzwischen als selbsterhaltend – sie braucht also keine ständige Nachzucht in Gefangenschaft mehr, um zu überleben.

Fota Wildlife Park beteiligt sich bereits seit 1991 an der Seeadler-Zucht und hat inzwischen sechs Küken großgezogen. Der neue Jungvogel soll später sogar an einem europaweiten Zuchtprogramm für bedrohte Arten teilnehmen – ein einzelner, in Cork geborener Adler könnte damit weit über Irland hinaus zum Erhalt der Art beitragen.

Die Adler-Rückkehr ist dabei nur ein Teil eines größeren Programms: Der Park kümmert sich auch um andere gefährdete irische Arten, etwa Brachvögel und den bedrohten Weißklauen-Flusskrebs. Besonders erfolgreich läuft die Arbeit mit der seltenen Kreuzkröte: Seit 2016 hat Fota mehr als 13.600 Jungkröten aus Teichen in der Grafschaft Kerry aufgezogen und in die Wildnis zurückgebracht, weitere 750 sollen allein in diesem August folgen.

Für die Naturschützer zeigt der Fall vor allem eines: Eine Art, die der Mensch vor gut hundert Jahren komplett ausgerottet hatte, wird heute von einer neuen Generation wieder aufgezogen – weil Menschen diesmal zusammenarbeiten, damit sie überlebt.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

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„Vor über 100 Jahren wurde der Seeadler in Irland komplett ausgerottet. Jetzt fliegt er wieder – aus eigener Kraft."

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