Reifenindustrie bereit für EU-Waldgesetz – Verzögerungen frustrieren
EUDR soll Abholzung stoppen, doch wiederholte Verschiebungen verunsichern die Branche und Millionen Kleinbauern.

Hintergrund
Die Europäische Union hat mit der EU Deforestation Regulation (EUDR) ein ehrgeiziges Gesetz geschaffen, das Produkte vom EU-Markt fernhalten soll, die mit Entwaldung in Verbindung stehen. Betroffen sind sieben Rohstoffe – darunter Naturkautschuk, der zu 85 % von rund 6 Millionen Kleinbauern in Südostasien und Westafrika stammt. Diese bewirtschaften oft nur ein bis zwei Hektar Land in mehreren Parzellen und verkaufen an verschiedene Zwischenhändler. Die Lieferkette ist extrem fragmentiert: Vom Anzapfen des Kautschukbaums (Hevea brasiliensis) bis zur Verarbeitung im Werk durchläuft das Latex zahlreiche Stationen. Bislang fehlt oft jede Transparenz.
Was ist passiert
Die Reifenindustrie – einer der größten Abnehmer von Naturkautschuk – signalisiert nun Geschlossenheit: Sie sei bereit für die EUDR, wie Branchenvertreter gegenüber Mongabay erklärten. Doch die wiederholten Verzögerungen der Verordnung sorgen für Frust. Ursprünglich für 2024 geplant, wurde der Start zweimal verschoben. Große und mittlere Unternehmen müssen nun bis zum 30. Dezember 2026 nachweisen, dass ihr Kautschuk nicht von kürzlich gerodeten Flächen stammt und unter Einhaltung lokaler Gesetze produziert wurde. Kleinst- und Kleinbetriebe erhalten eine noch längere Frist. Die Industrie fordert nun Klarheit und keine weiteren Aufschübe.
Warum das wichtig ist
Die EUDR ist ein struktureller Hebel gegen die globale Entwaldung. Indem sie Unternehmen zwingt, ihre gesamte Lieferkette zurückzuverfolgen, schafft sie Anreize für nachhaltige Anbaumethoden und schützt Regenwälder, die als CO₂-Speicher und Biodiversitäts-Hotspots unersetzlich sind. Für die 6 Millionen Kleinbauern bedeutet die Verordnung aber auch eine enorme Herausforderung: Sie müssen ihre Parzellen digital erfassen und dokumentieren – oft ohne technische Infrastruktur. Gelingt die Umsetzung, könnten sie von stabileren Preisen und besserem Marktzugang profitieren. Scheitert sie, droht der Ausschluss vom EU-Markt.
Ausblick
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die EU-Kommission an ihrem Zeitplan festhält oder weiteren Druck aus der Industrie nachgibt. Parallel arbeiten NGOs und Zertifizierungsstellen an Lösungen, um Kleinbauern bei der Rückverfolgbarkeit zu unterstützen. Sollte die EUDR wie geplant in Kraft treten, könnte sie zum Vorbild für andere Regionen werden – etwa für die USA oder Japan, die ähnliche Regelungen prüfen. Die Reifenindustrie hat jedenfalls klargemacht: Sie will nicht länger warten.
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„Wusstest du, dass die Reifenindustrie schon bereit ist für das neue EU-Waldgesetz, aber die Politik bremst?"
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