Schottland: Meeresboden-Leben verdreifacht nach Schleppnetz-Verbot
Neun Jahre nach Einrichtung der Meeresschutzgebiets South Arran zeigt eine Studie: Die Artenvielfalt hat sich erholt.
Hintergrund
Die Meeresböden Europas sind die am stärksten befischten der Welt. Seit dem 14. Jahrhundert wird dort mit schwerem Fanggerät der Grund abgeschleppt – eine Praxis, die ganze Ökosysteme zerstört. Die South Arran Marine Protected Area (MPA) vor der schottischen Küste wurde 2014 eingerichtet, um dem entgegenzuwirken. Ein Großteil des Gebiets ist seitdem für die Grundschleppnetzfischerei gesperrt.
Was ist passiert
Forscher der University of Exeter unter der Leitung von Ben Harris haben nun die Langzeitwirkung dieser Schutzmaßnahme untersucht. Das Ergebnis: Im geschützten Bereich leben heute dreimal mehr Organismen am Meeresboden als in vergleichbaren, ungeschützten Zonen. Die Artenzahl hat sich verdoppelt. In einer einzigen kleinen Sedimentprobe fanden die Wissenschaftler über 150 verschiedene Spezies – darunter Löffelwürmer, Bobbitwürmer und Turmschnecken, die Harris als „wichtige Gärtner des Meeresbodens“ bezeichnet.
Warum das wichtig ist
Die winzigen Lebewesen erfüllen eine gigantische Aufgabe: „Acht Mount Everests an Sediment werden jede Minute auf dem gesamten Kontinentalschelf von diesen kleinen Tieren umgewälzt“, erklärt Harris. Diese Bewegung ist essenziell für die Kohlenstoffspeicherung im Ozean. Die Studie zeigt, dass Schutzgebiete nicht nur die Biodiversität fördern, sondern auch aktiv zur Wiederherstellung verlorener Ökosysteme beitragen können. „Was wie eine langweilige Wüste aus Schlamm aussieht, ist in Wirklichkeit sehr dynamisch“, so Harris.
Ausblick
Die Ergebnisse aus South Arran liefern handfeste Argumente für den Ausbau von Meeresschutzgebieten weltweit. Sie belegen, dass ein konsequentes Verbot der Grundschleppnetzfischerei innerhalb weniger Jahre messbare Erfolge bringt. Für Entscheider in Politik und Wirtschaft bedeutet dies: Investitionen in Meeresschutz zahlen sich ökologisch und langfristig auch ökonomisch aus – durch gesündere Fischbestände, bessere CO₂-Speicherung und intakte Küstenökosysteme.
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- Archiv vor September 2026, nicht nach heutigem Verfahren geprüft. Berichtet von Mongabay.