Solarenergie hielt Europas Stromnetz im Hitzesommer stabil
Während Hitze und Dürre Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke ausbremsten, lieferte Solarstrom in Europa diesen Sommer zuverlässig mehr Energie als sonst.
Wiederholte Hitzewellen ließen Europa in diesem Sommer den heißesten Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erleben, begleitet von einer historischen Dürre, die Flüsse auf Rekord-Niedrigstände fallen ließ. Für die Stromversorgung des Kontinents bedeutete das gleich doppelten Stress: Windkraftanlagen liefen bei der Flaute während der Hitzewellen kaum, und Kraftwerke, die mit Kohle, Gas oder Atomkraft arbeiten, mussten ihre Leistung drosseln, weil ihnen wegen der niedrigen und warmen Flusspegel das Kühlwasser fehlte.
Frankreich etwa verlor laut dem Energie-Thinktank Ember im Juli zeitweise 18 Prozent seiner Atomkraft-Kapazität, weil französisches Recht vorschreibt, dass abgeleitetes Kühlwasser eine bestimmte Temperatur nicht überschreiten darf, um Flüsse zu schützen. In Großbritannien drosselten fünf Gaskraftwerke zusammen 2,5 Gigawatt Leistung aus demselben Grund, während die Windkraftproduktion durch die sommerliche Flaute auf etwa die Hälfte des Üblichen sank.
Ausgerechnet die Solarenergie hielt dagegen. Hitzewellen gehen in Europa meist mit klarem, sonnigem Wetter einher – ideale Bedingungen für Solarzellen. Nach Angaben von Ember produzierten Europas Solaranlagen während der Hitzewellen 17 Prozent mehr Strom als sonst üblich, genau dann, wenn am Nachmittag der Kühlbedarf am größten war. Batteriespeicher halfen zusätzlich, diesen Solarstrom bis in die Abendstunden hinein verfügbar zu machen, wenn die Hitze anhielt und Klimaanlagen weiterliefen, die Sonne aber schon untergegangen war. „Die nächste Herausforderung ist der Abend“, sagt Walburga Hemetsberger von der Branchenorganisation SolarPower Europe. „Deshalb wird Batteriespeicherung zu einem so wichtigen Teil der Energiewende.“
Der Ausbau von Solar- und Batterietechnik in Europa läuft bereits in hohem Tempo: 2025 wurden 36 Gigawattstunden neue Batteriekapazität installiert, 48 Prozent mehr als im Jahr zuvor – das zwölfte Wachstumsjahr in Folge. Weil bislang erst rund ein Viertel der Haushalte in Frankreich und die Hälfte in Italien und Spanien überhaupt eine Klimaanlage besitzt, dürfte der Strombedarf durch Kühlung in den kommenden Jahren noch deutlich steigen. Frankreichs staatlicher Versorger plant deshalb, in den nächsten 15 Jahren mehr als 10 Milliarden Dollar in die Anpassung seiner Atom- und Wasserkraftwerke an wärmere Temperaturen zu investieren. Dieser Sommer, sagen Fachleute, zeige schon heute, worauf es künftig ankommen wird: mehr Solarenergie und mehr Speicher, um Hitzewellen ohne Stromausfälle zu überstehen.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
So erzählst du es weiter
„Diesen Sommer versagten wegen der Hitze reihenweise Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke in Europa. Die Solaranlagen lieferten einfach mehr Strom als sonst."
Magst du solche Geschichten?
Hol dir jeden Morgen eine — kuratiert, belegt, werbefrei. Kein Doomscrolling.
Weiteres aus klima
Solarstrom überholt Kohle in den USA
Im Mai 2026 lieferte Solarenergie erstmals mehr Strom als Kohle – ein Meilenstein für die Energiewende.
Solarstrom erstmals stärker als Kohle in den USA
Im Mai lieferte Solarenergie 12,8% des US-Stroms, Kohle nur 12,2% – ein historischer Wendepunkt.
Deutschland: Wind und Sonne liefern mehr Strom als Kohle & Gas
Erstmals kamen 44 % von Deutschlands Strom aus Wind und Sonne, nur 43 % aus Kohle, Gas und Öl.