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Alte Kohlegruben heizen jetzt Häuser in Nordengland

In Gateshead pumpt ein Fernwärmenetz warmes Wasser aus stillgelegten Kohlebergwerken und heizt damit hunderte Häuser – ganz ohne Gas.

Im nordenglischen Gateshead reicht die Geschichte des Kohlebergbaus mehr als 600 Jahre zurück – bis Margaret Thatchers Zechenschließungen in den 1980er-Jahren dem Bergbau der Region endgültig ein Ende setzten. Doch was unter der Stadt zurückblieb, wird heute neu genutzt: Die stillgelegten Stollen sind mit Grundwasser vollgelaufen, das sich in rund 150 Metern Tiefe durch die natürliche Erdwärme auf etwa 15 Grad erwärmt hat.

Seit März 2023 pumpt ein kommunal getragenes Fernwärmenetz dieses Wasser an die Oberfläche. Eine große Wärmepumpe verstärkt die Temperatur auf rund 80 Grad, bevor das warme Wasser über mehr als fünf Kilometer Rohrleitung verteilt wird – an inzwischen etwa 350 Haushalte, das Gateshead College, das Baltic-Zentrum für zeitgenössische Kunst und weitere Gebäude. Das abgekühlte Wasser fließt anschließend zurück in die Grube, erwärmt sich dort erneut und steht für den nächsten Kreislauf bereit. Nach Angaben der britischen Regierung spart das System über 40 Jahre gerechnet rund 72.000 Tonnen CO2 ein.

Auch Unternehmen profitieren: Der Getränkelogistiker Lanchester Wines war das erste Privatunternehmen Großbritanniens, das Grubenwärme nutzte, und hat damit den CO2-Fußabdruck zweier Lagerhallen von 3.600 auf 750 Tonnen gesenkt – eine Reduktion um 80 Prozent. „Man nimmt etwas leicht Warmes und macht daraus etwas, das man tatsächlich zum Heizen nutzen kann“, erklärt der Hydrogeologe Dan Mallin Martin von der britischen Bergbau-Sanierungsbehörde MRA das Prinzip.

Für die Menschen vor Ort zeigt sich der Nutzen vor allem im Portemonnaie. Ein Anwohner, der seit 52 Jahren im selben Haus lebt und seit zwei Jahren an das Netz angeschlossen ist, berichtet von spürbar niedrigeren Rechnungen. Eine Studie der Northumbria University fand heraus, dass für die Menschen vor Ort vor allem drei Dinge zählen: günstigere Rechnungen, weniger lokale Emissionen – und der Stolz, die alte Bergbau-Infrastruktur sinnvoll weiterzunutzen.

Ganz reibungslos verlief die Umsetzung allerdings nicht: Von zwölf Bohrungen waren in Gateshead nur vier erfolgreich, weil ältere Grubenkarten oft lückenhaft sind. Auch Lanchester Wines musste rund acht Bohrungen durchführen, um zwei nutzbare zu erhalten. Fachleute mahnen deshalb, dass eine gerechte Umsetzung solcher Projekte auch echte Mitsprache der Anwohner erfordert – etwa bei Bauarbeiten, Preisgestaltung und der Frage, wer am Ende wirklich profitiert.

Das Potenzial reicht weit über Gateshead hinaus: Großbritannien verfügt über rund 23.000 stillgelegte Kohlebergwerke, und schätzungsweise ein Viertel aller britischen Gebäude steht über früheren Gruben. Eine Untersuchung identifizierte bereits 42 aussichtsreiche Standorte im Land, die zusammen fast 4.500 direkte Arbeitsplätze schaffen und rund 90.000 Tonnen CO2 einsparen könnten. Weltweit sind nach einer Studie von 2025 bereits 51 solcher Grubenwasser-Wärmesysteme in Betrieb.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

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„In einer englischen Stadt heizt buchstäblich das alte Kohlebergwerk die Häuser von heute – mit warmem Grubenwasser statt Gas."

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