Spürhunde stoppen Wilderer in Indiens Wäldern
Wilderei ist in Indien schwer zu bekämpfen, weil Beweise wie Fußspuren oder Tierteile oft schnell verschwinden und es zu wenige gut ausgebildete Ermittler gibt. Seit 2008 hat die Umweltorganisation WWF-India mehr als 120 Spürhundeteams ausgebildet, die inzwischen in 22 Bundesstaaten im Einsatz sind und dabei geschmuggelte Tigerfelle, Elfenbein und Schuppentier-Schuppen aufspüren. Die Hunde lösen Fälle, die menschliche Ermittler oft gar nicht aufklären könnten, weil ihr Geruchssinn mit rund 200 Millionen Riechzellen um ein Vielfaches empfindlicher ist als der von Menschen mit nur etwa fünf Millionen. Weil das Training aufwendig und teuer ist, bleibt der weitere Ausbau der Hundestaffeln vom Budget der einzelnen Forstbehörden abhängig.
Ende Juni entdeckte eine Forstpatrouille im Zentrum Indiens ein verstörendes Bild: Zwölf Chital-Hirsche und zwei Sambar-Hirsche lagen tot rund um einen vergifteten Teich – einer der größten Fälle von Massenvergiftung wild lebender Pflanzenfresser, die in der Region je gemeldet wurden. Zeugen, Kameraaufnahmen oder andere Spuren gab es keine. Aufklärung brachte am Ende eine belgische Schäferhündin mit besonders feiner Nase: Sie nahm die Fährte der Täter auf, führte die Beamten durch Felder bis in ein Dorfhaus, wo frisches Fleisch, Blutspuren, Tierhaare und Fanggeräte gefunden wurden. Drei Verdächtige wurden festgenommen.
Solche schnellen Erfolge sind selten, denn Wilderei ist weltweit schwer zu bekämpfen: Es fehlt oft an ausgebildetem Personal, an kriminalistischem Wissen und an Ressourcen. In den 1960er- und 1970er-Jahren konnten Förster und indigene Gemeinschaften wie die Baiga noch erkennen, ob eine Spur von einem Tier, einem Dorfbewohner oder einem Fremden stammte, sagt Belinda Wright, Gründerin der Wildlife Protection Society of India, die seit 1994 mehr als 8.000 Forst-, Polizei- und Zollbeamte ausgebildet hat. Dieses Wissen verschwinde zunehmend.
An seine Stelle treten immer öfter Spürhunde. Seit 2008 hat die Umweltorganisation WWF-India mehr als 120 Hundestaffeln ausgebildet – jede besteht aus einem Hund und zwei Hundeführern. Sie sind mittlerweile in 22 indischen Bundesstaaten im Einsatz und helfen dabei, Tigerfelle, Schuppen von Schuppentieren, Elfenbein und lebende Tiere aufzuspüren.
Im Tadoba-Andhari-Tigerreservat im Bundesstaat Madhya Pradesh trainiert der 24-jährige Hundeführer Saurabh Nikhat bei Temperaturen über 43 Grad seine belgische Schäferhündin Maya, mittlerweile eine der wertvollsten Ermittlerinnen des Reservats. Die jungen Hunde werden meist ab einem Alter von drei bis sechs Monaten sieben bis neun Monate lang trainiert – zunächst auf Gehorsam, dann auf das Erschnüffeln von Tigerhaut, Elfenbein, Bärengalle, Hirschgeweihen oder Sandelholz.
Der Aufwand lohnt sich: Als ein junger Tiger tot in einem Bach gefunden wurde, führte Maya die Ermittler trotz des Wassers, das Gerüche normalerweise zerstört, zu dem Mann, der den Kadaver dorthin geschleppt hatte. Heute wäre es für uns sehr schwer, Wilderei ohne Spürhunde einzudämmen, sagt Prabhu Nath Shukla, Leiter des Tadoba-Andhari-Reservats. Die größte Hürde sei, dass jeder Hund zwei feste Hundeführer braucht – das mache das Programm für viele Forstbehörden teuer.
Der Grund für den Erfolg der Hunde liegt in ihrer Biologie: Menschen besitzen etwa fünf Millionen Riechzellen, Hunde rund 200 Millionen, und der für Geruch zuständige Bereich ihres Gehirns ist etwa 40-mal größer als beim Menschen. Eine Übersicht von mehr als 600 vergleichenden Studien zeigt, dass Spürhunde bei der Wildtiererkennung in fast 89 Prozent der Fälle besser abschnitten als andere Suchmethoden. Im Kanha-Tigerreservat hat eine Hündin namens Daisy in weniger als zwei Jahren fünf Wildtierverbrechen aufgeklärt, im Bundesstaat Telangana verfolgte der Spürhund Hunter eine Spur über mehr als fünf Kilometer bis zum Haus eines mutmaßlichen Täters.
Über die reine Aufklärung hinaus wirken die Hunde auch abschreckend: Wenn Nikhat mit Maya Dorfmärkte in der Nähe von Tadoba patrouilliert, überlegen es sich lokale Fleischhändler nach Angaben von Shukla zweimal, bevor sie gewildertes Fleisch verkaufen.
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- Archiv vor September 2026, nicht nach heutigem Verfahren geprüft. Berichtet von Reasons to be Cheerful.