Tiger kehrt nach 70 Jahren zurück nach Kasachstan
Zehn Jahre Aufbauarbeit: Wald und Beutetiere sind zurück – jetzt lebt erstmals wieder ein Tiger wild.
Mehr als 70 Jahre lang gab es in Kasachstan keinen einzigen wilden Tiger mehr. Der Kaspische Tiger, ein naher Verwandter des heutigen Amur-Tigers aus Sibirien, wurde durch Jagd und Lebensraumverlust vollständig ausgerottet und gilt als eigenständige Unterart heute als ausgestorben. Jetzt hat das Land einen bemerkenswerten Schritt unternommen, um einen Tiger an genau diesen Ort zurückzubringen.
Im Ile-Balkhash-Naturreservat, das eigens 2018 für dieses Ziel eingerichtet wurde, ließen kasachische Behörden eine weibliche Amur-Tigerin frei – als Ersatz für die ausgestorbene Unterart, mit der sie eng verwandt ist. Das Tier trägt den kasachischen Namen für „Hoffnung". „Wir haben heute ein wahrhaft historisches Ereignis erlebt", sagte Umweltminister Jerlan Nyssanbajew bei der Freilassung. „Zum ersten Mal seit mehr als 70 Jahren wurde wieder ein Tiger in sein historisches Verbreitungsgebiet entlassen."
Damit ein Tiger überhaupt wieder in der Region leben kann, mussten zuerst seine Beutetiere zurückkehren. Ab 2020 siedelten Naturschützer im Reservat Bucharahirsche an, es folgten Saiga-Antilopen und asiatische Wildesel. Erst als diese Population stabil genug war, konnten die ersten Tiger – die freigelassene Tigerin, ein Männchen namens Amur und zwei Jungtiere aus einem russischen Reservat – überhaupt in großen Gewöhnungsgehegen auf ihr neues Leben vorbereitet werden.
Bevor die Tigerin in die freie Wildbahn entlassen wurde, untersuchten Tierärzte sie und stellten einen ausgezeichneten Gesundheitszustand fest; anschließend erhielt sie ein GPS-Halsband zur Beobachtung. Das Männchen Amur bleibt vorerst in Obhut, während Fachleute prüfen, ob es in der neuen Umgebung erfolgreich jagen kann. Die beiden Jungtiere sollen halbwild im Reservat aufwachsen und erst mit etwa 18 Monaten freigelassen werden, wenn sie die nötigen Verhaltenstests bestehen.
Der schrittweise Ansatz zeigt, wie komplex die Rückkehr eines Großraubtiers in eine neue Landschaft ist – auch mit Blick auf die Menschen, die in der Nähe leben. Das weitläufige Reservat ist nicht eingezäunt, Tiger können also grundsätzlich auch außerhalb seiner Grenzen unterwegs sein. „Die Sicherheit der Menschen, die in der Nähe des Reservats leben, hat für uns oberste Priorität", erklärten Vertreter des kasachischen Umweltministeriums. Ein eigenes Team soll eingreifen, sollte sich ein Tier einer Siedlung nähern.
Sollte das Projekt gelingen, wäre Kasachstan das erste Land der Welt, dem die vollständige Rückkehr eines einst dort ausgestorbenen Tigers in sein angestammtes Ökosystem gelingt.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„70 Jahre kein Tiger in Kasachstan. Jetzt lebt wieder einer wild – als erstes Land der Welt, dem das gelingen könnte."
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