Über 1.000 unbekannte Korallenriffe vor Australien entdeckt
Satellitenbild-Überlagerung enthüllt tausende Riffe in trüben Gewässern Nordaustraliens

Hintergrund
Die Küste Nordaustraliens erstreckt sich über Tausende Kilometer, doch große Teile des Meeresbodens sind bislang kaum erforscht. Besonders in den trüben, sedimentreichen Gewässern vor der Küste war die Kartierung von Riffen eine Herausforderung. Bisherige Satellitenaufnahmen zeigten nur eine homogene, türkisfarbene Wasseroberfläche, unter der sich Strukturen verbargen.
Das australische Institut für Meereswissenschaften (AIMS) und die University of Queensland (UQ) haben nun eine neue Methode entwickelt, um diese verborgenen Ökosysteme sichtbar zu machen. Projektleiter Eric Lawrey von AIMS erkannte beim Studium von Satellitenbildern erste Anzeichen von Riffstrukturen, die in Einzelaufnahmen nicht erkennbar waren.
Was ist passiert
Lawrey und sein Team überlagerten für jede untersuchte Meeresregion rund 200 Satellitenbilder, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommen wurden. Während sich die bewegten Wassermassen in den Überlagerungen verwischen, bleiben die konstanten Riffstrukturen sichtbar. Mit dieser Technik kartierten die Forscher die Küste von Houtman Abrolhos in Westaustralien bis zum westlichen Cape York in Queensland.
Das Ergebnis: mehr als 3.600 Korallenriffe und 2.900 felsige Riffe, die durch geologische Prozesse entstanden sind. Davon waren über 1.000 Korallenriffe zuvor völlig unbekannt. Die Zahl der neu entdeckten Riffe ist vergleichbar mit der des Great Barrier Reef, auch wenn viele von ihnen kleiner sind. Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit der University of Queensland durchgeführt und von AIMS veröffentlicht.
Warum das wichtig ist
Die neu kartierten Riffe bieten Lebensraum für eine Vielzahl von Meeresorganismen und könnten wichtige Funktionen für die Biodiversität der Region übernehmen. In Zeiten des globalen Korallensterbens durch Klimaerwärmung und Ozeanversauerung sind solche unberührten Ökosysteme von unschätzbarem Wert. Sie könnten als Rückzugsorte und genetische Reservoirs dienen.
Die Entdeckung verdoppelt die bekannte Anzahl von Riffen in Nordaustralien und erweitert das Verständnis für die marine Umwelt erheblich. Für den Meeresschutz ergeben sich neue Prioritäten: Bisher ungeschützte Gebiete könnten nun gezielt in Schutzprogramme aufgenommen werden. Die Methode der Bildüberlagerung könnte zudem weltweit eingesetzt werden, um weitere verborgene Riffe zu entdecken.
Ausblick
Die Forscher planen, die Kartierung auf weitere Küstenabschnitte auszuweiten und die neu entdeckten Riffe genauer zu untersuchen. Erste Tauchgänge sollen Aufschluss über den Gesundheitszustand der Korallen und die Artenvielfalt geben. Die Technik könnte auch in anderen trüben Gewässern weltweit angewendet werden, etwa vor Südostasien oder Westafrika.
Langfristig könnten die Daten helfen, die Auswirkungen des Klimawandels auf marine Ökosysteme besser zu verstehen. Die Entdeckung zeigt, dass selbst in gut erforschten Regionen wie Australien noch große Wissenslücken bestehen – und dass moderne Technologie helfen kann, diese zu schließen.
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