Zirkus für Über-50-Jährige: Spiel und Performance im Alter
Ein Zirkus-Showcase in Hertfordshire zeigt, dass Trapez und Clownerie keine Frage des Alters sind – mit Künstlern bis 96 Jahren.

In Hertfordshire, einer Grafschaft nördlich von London, findet an diesem Sonntag ein besonderes Zirkus-Event statt: die ‚Over 50s Circus Showcase‘ von Generation Circus. Künstler zwischen 50 und 96 Jahren zeigen Trapez, Hula-Hoop, Jonglage, Clownerie und Tanz – und stellen damit die gängige Vorstellung infrage, dass Zirkus und Bühne nur etwas für junge Menschen sind. Die Show trägt den Titel ‚A Rebellion Against Ageism‘ – ein Aufstand gegen Altersdiskriminierung.
Die Künstler kommen aus wöchentlichen Zirkus-Workshops, die Generation Circus in Ware Drill Hall anbietet. Die Kurse sind komplett kostenlos und werden vom National Lottery Community Fund finanziert. Jeder Teilnehmer lernt dort neue Fähigkeiten – vom Jonglieren bis zum Trapez. Für viele ist es mehr als ein Hobby: Carol, eine der Künstlerinnen mit pinken Haaren, erzählt, dass ihre Welt nach dem Tod ihrer Tochter vor vier Jahren zusammenbrach. ‚Zirkus gab mir einen Weg, mich wieder mit der Welt zu verbinden. Es gab mir einen Sinn und brachte ein bisschen Glanz zurück in mein Leben.‘
Die Show ist bereits die zweite ihrer Art. Im Vorjahr zog die Veranstaltung ‚Will You Still Love Me?‘ 500 Zuschauer an – ausverkauft. Emma Taylor, die Gründerin von Generation Circus, hat das Projekt gemeinsam mit ihrer Tochter Maisy aufgebaut. Die Familie arbeitet seit drei Jahrzehnten im Zirkus. Emma und ihr Mann Dave hatten früher einen Trapez-Act, Maisy war schon mit vier Jahren dabei. ‚Generation Circus aufzubauen war das lohnendste Abenteuer von allen‘, sagt Emma.
Die Porträts der Künstler, fotografiert von Andy Holloway, zeigen ältere Menschen nicht als gebrechlich oder verblassend, sondern als theatralisch, lustig, sichtbar und voll im Bild. Bob, ein Clown und Tänzer, sagt: ‚Ich dachte mein ganzes Leben, ich sei kein Performer. Zirkus hat mich dazu gebracht, darüber nachzudenken, wer ich bin. Und es stellt sich heraus: Ich bin ein Performer!‘ Die Ermutigung der Gruppe habe etwas in ihm hervorgebracht, das er nie für möglich gehalten hätte.
Die Geschichte zeigt, dass Zirkus weit mehr ist als Unterhaltung – er kann ein Werkzeug sein, um Isolation zu überwinden, Selbstvertrauen aufzubauen und das Leben im Alter aktiv zu gestalten. Emma Taylor bringt es auf den Punkt: ‚Es ist etwas Radikales, Menschen dabei zuzusehen, wie sie Spiel, Performance und Sichtbarkeit im späteren Leben zurückerobern.‘
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
So erzählst du es weiter
„Stell dir vor: Ein Zirkus, in dem die jüngste Künstlerin 50 und die älteste 96 ist. Genau das gibt es in England – und es ist ein Aufstand gegen Altersdiskriminierung."
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