Ameisengift: Neue Peptide gegen resistente Keime entdeckt
Forscher finden in Schuppenameisen-Gift zwei neuartige Peptid-Familien mit antimikrobieller Wirkung

Hintergrund
Die zunehmende Resistenz von Mikroben gegen antimikrobielle Wirkstoffe gilt als eine der größten Herausforderungen der modernen Medizin. Weltweit suchen Forscher nach neuen Substanzen, die Bakterien und Pilze wirksam bekämpfen können – ohne dass diese schnell Resistenzen entwickeln. Ein vielversprechender Ansatz liegt in der Natur: Viele Insekten haben über Jahrmillionen komplexe chemische Abwehrsysteme entwickelt.
Was ist passiert
Ein Team der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Freien Universität Berlin hat erstmals Peptide in den Giften von Schuppenameisen nachgewiesen, darunter Wald- und Rossameisen. Die Forscher identifizierten zwei völlig neue Peptid-Familien, die antimikrobiell wirken. „Wir sind einer jahrzehntealten Publikation nachgegangen, die erwähnte, dass diese Gifte vielleicht auch eiweißartige Stoffe enthalten“, erklärt Prof. Dr. Timo Niedermeyer von der FU Berlin. Mittels modernster Methoden – darunter Protein- und Genom-Daten, chemische Analysen und biophysikalische Experimente – konnten die Peptide und ihre Gensequenzen umfassend beschrieben werden. Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal Science Advances, zählt zu den bislang umfassendsten Analysen von Ameisengiften.
Warum das wichtig ist
Die Peptide leisten einen entscheidenden Beitrag zur Nesthygiene der Ameisen: Sie schmieren ihre Brut mit dem Gift ein, nach Verdunsten der Ameisensäure bleiben die Eiweißmoleküle zurück und schützen vor Pilzen und anderen Mikroben. „Einige der Peptide zeigen eine ausgeprägte Wirkung gegen Pilze – interessant vor dem Hintergrund zunehmender Resistenzen“, betont Dr. Simon Tragust von der MLU. Mit über 3.700 Arten eröffnet die Familie der Schuppenameisen ein enormes Potenzial für die Entdeckung weiterer bioaktiver Substanzen. Die Peptide könnten als Ausgangspunkt für innovative Medikamente dienen, die gegen resistente Keime wirken.
Ausblick
Bevor die Substanzen in der Humanmedizin eingesetzt werden können, sind weitere Studien nötig, um die genaue Wirkungsweise und medizinische Anwendbarkeit zu erforschen. Die Forscher planen, die Peptide systematisch zu testen und ihre Struktur für synthetische Varianten zu optimieren. Sollte dies gelingen, könnten die Ameisenpeptide einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen leisten – einem Problem, das laut WHO jährlich Millionen Todesfälle verursacht.
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