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klima Schweiz · CH

Architektin baut Häuser fast nur noch aus altem Material

Ihr Umbau eines Fabrikgebäudes sparte fast zwei Drittel der CO2-Kosten verglichen mit einem Neubau.

Wer eine Verkleidung aus rotem Blech am Gebäude K.118 in Winterthur abschraubt, findet dahinter etwas, das man in einem preisgekrönten zeitgenössischen Bauwerk kaum erwarten würde: fest verdichtete Strohballen, so ordentlich gestapelt, als kämen sie direkt vom Feld eines Bauern. Die Innenwände sind mit Lehm verputzt, die Stahltreppe stammt aus einem Bürogebäude in Zürich, die tragenden Balken einst aus dem Dach eines Verteilzentrums in Basel, achtzig Fenster wurden aus einem zum Abriss bestimmten Gebäude gerettet.

Verantwortlich für dieses Gebäude, eine ehemalige Schreinerei, ist die 72-jährige Architektin Barbara Buser. Sie ist bekannt für eine radikale Idee: Statt neu zu bauen, fragt sie zuerst, was gerettet werden kann. „Ich bin an dem Punkt angekommen, an dem ich sage: Wir sollten gar nichts mehr abreißen", sagt sie. „Wegen des Klimawandels ergibt Abriss einfach keinen Sinn mehr."

Die Zahlen hinter ihrer Überzeugung sind eindeutig: Der Bausektor verursacht laut Schätzungen bis zu 12 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen und mehr als 35 Prozent des gesamten Abfalls in Europa. Beim Umbau von K.118 senkte Busers Team laut Forschenden der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften die sogenannten grauen Emissionen – also jene CO2-Kosten, die allein durch Herstellung und Transport der Baumaterialien entstehen – um fast zwei Drittel im Vergleich zu einem konventionellen Neubau. 2021 erhielt das Projekt dafür den Holcim Global Gold Award, eine der weltweit bedeutendsten Auszeichnungen für nachhaltiges Bauen.

Buser selbst kam über ihre Arbeit in Tansania und im Südsudan zu dieser Haltung, wo sie fast zehn Jahre lang Brunnen, Schulen und Wohnhäuser aus lokalen Materialien baute. „In Tansania gab es so etwas wie Abfall nicht", erinnert sie sich. Ein Stück Wellblech, das jemand wegwarf, wurde zum Dach eines anderen Hauses. Die Rückkehr in die Schweiz Ende der 1980er-Jahre empfand sie als Kulturschock: „Der Überfluss – und vor allem die Verschwendung – haben mich zutiefst gestört."

Aus dieser Erfahrung entstand 1996 die Basel Bauteilbörse, die erste Handelsplattform der Schweiz für gebrauchte Baumaterialien wie Fenster, Türen, Stahlträger, Spülbecken und Böden, die kurz vor dem Abriss gerettet werden. Heute ist die Bauteilbörse in 16 Städten aktiv, unterstützt von einer eigenen „Bauteil-Jägerin", die durch die Schweiz und angrenzende Länder reist, um passendes Material für neue Projekte zu finden.

Die Europäische Kommission schätzt, dass ein effizienterer Umgang mit Baumaterialien die Emissionen der Bauwirtschaft um bis zu 80 Prozent senken könnte. Busers Projekte – vom umgebauten Fabrikgebäude über die historische Markthalle in Basel bis zu Wohnungen in einem ehemaligen Krankenhaus – zeigen, dass dieser Weg schon heute machbar ist, nicht nur als Zukunftsvision. 2026 wurde sie zusätzlich mit dem Jane Drew Prize ausgezeichnet, der Architektinnen für ihren Beitrag zur Sichtbarkeit von Frauen im Berufsfeld würdigt.

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„Diese Architektin baut fast nur noch mit gerettetem Material aus abgerissenen Gebäuden – und spart damit fast zwei Drittel der CO2-Kosten eines Neubaus."

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