Norwegens neuer Unterseetunnel spart Reisenden 5 Stunden
Der 27 Kilometer lange Rogfast-Tunnel führt Autos 300 Meter unter dem Meer entlang und ersetzt zwei Fährfahrten.
Mit dem Flugzeug liegen Stavanger und Bergen an Norwegens Westküste nur 40 Flugminuten auseinander. Mit dem Auto dagegen zwingt die zerklüftete Fjordlandschaft Reisende bislang auf eine gut 5-stündige Fahrt inklusive zweier Fährüberfahrten. Das soll sich mit dem Rogfast-Tunnel bald grundlegend ändern.
Rund 300 Meter unter der Nordsee sprengen sich norwegische Ingenieure derzeit durch den Felsen – Sprengung für Sprengung, jeweils rund 5 bis 6 Meter Tunnel pro Ladung. Mit einer Länge von 27 Kilometern wird der Rogfast nach seiner Fertigstellung der längste Unterseetunnel der Welt sein und den bisherigen norwegischen Rekordhalter, den gut 14 Kilometer langen Ryfylke-Tunnel, deutlich übertreffen. Vier Fahrspuren sollen künftig unter dem Meer hindurchführen und alle Fjordumwege sowie die Fährfahrten überflüssig machen.
Das schwedisch-schweizerische Baukonsortium aus Skanska und Implenia gräbt sich von zwei Seiten – von der Insel Vestre Bokn im Norden und von Randaberg im Süden – aufeinander zu; die beiden Tunnelhälften sollen 2029 zusammentreffen. Die Kosten des Projekts werden auf knapp eine Milliarde Euro geschätzt.
Die Arbeit unter dem Meeresboden ist alles andere als einfach: Die Bauleute arbeiten in 12-Stunden-Schichten über 12 Tage am Stück, bevor eine 16-tägige Pause an der Oberfläche folgt. Anders als in vielen anderen Ländern setzen die Norweger nicht auf Tunnelbohrmaschinen, sondern auf klassisches Sprengen und Bohren – das gibt mehr Flexibilität, etwa um mit einer betonartigen Masse namens „Grout" Löcher gegen eindringendes Meerwasser abzudichten, bevor die nächste Sprengung erfolgt. Weil sich die Härte des Gesteins von Meter zu Meter stark ändern kann, muss ständig neu geprüft werden, wie stabil die Tunneldecke jeweils gesichert werden muss.
Neben der reinen Ingenieursleistung gönnt sich der Tunnel auch architektonische Extras: einen unterirdischen vierspurigen Kreisverkehr sowie eine große, in wechselnden Farben beleuchtete Halle, in der später Kunstinstallationen gezeigt werden sollen – nicht zuletzt, damit Autofahrenden auf der langen Fahrt durch die Dunkelheit nicht die Augen zufallen.
Das beim Sprengen anfallende Gestein, insgesamt 85 Millionen Kubikmeter, wird nicht quer durchs Land transportiert, sondern direkt vor Ort zu einer neuen künstlichen Insel aufgeschüttet. Gebaut wird der Tunnel mit dem Anspruch, ein weiteres Jahrhundert lang zuverlässig zu funktionieren.
Die beiden Tunnelröhren sollen sich 2029 treffen, die Eröffnung für den Verkehr ist für 2033 vorgesehen.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Norwegen baut gerade den längsten Unterseetunnel der Welt – 27 Kilometer lang, 300 Meter unter dem Meer, und er spart Reisenden 5 Stunden Fahrzeit."
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