Zurück
wissenschaft International · XX

Bewusstsein könnte in vielen Formen existieren

Philosophische Studie: Bewusstsein ist nicht an irdische Biologie gebunden – das Universum könnte voller fremdartiger Geister sein.

Beat: Innovation & Wirtschaft · Peer-Review

Was macht ein bewusstes Wesen aus? Reichen Nervenzellen aus Fleisch und Blut, oder könnte auch ein Wesen aus Stein und Quecksilber denken und fühlen? Diese Frage stellen sich Eric Schwitzgebel, Philosoph an der University of California in Riverside, und sein Kollege Jeremy Pober. In einem neuen Arbeitspapier argumentieren sie: Bewusstsein ist nicht an irdische Biologie gebunden. Es könnte in vielen verschiedenen Materialien entstehen – sogar in Wesen, die völlig anders aufgebaut sind als alles, was wir von der Erde kennen.

Die Forscher stützen sich auf ein einfaches Prinzip: Manche Eigenschaften können in ganz unterschiedlichen Stoffen vorkommen. Ein Becher kann aus Glas, Plastik oder Metall bestehen. Ein Buch gibt es als gedrucktes Exemplar oder als digitale Datei. Genauso, so die These, könnte Bewusstsein in verschiedenen „Substraten“ auftauchen – also in unterschiedlichen materiellen Grundlagen. Sie nennen das „Substratflexibilität“. Konkret heißt das: Ein bewusstes Wesen muss nicht zwingend aus Kohlenstoff bestehen, wie alles Leben auf der Erde. Es könnte auch auf Silizium basieren – wie ein Computer – oder auf exotischen Mineralien, wie der außerirdische Felsbewohner aus dem Roman „Project Hail Mary“.

Um ihre These zu untermauern, verweisen die Philosophen auf die schiere Größe des Universums. Astronomen schätzen, dass es rund eine Billion Galaxien gibt. Überall dort könnten Planeten existieren, deren Umwelt völlig anders ist als die unsere. Die Forscher gehen konservativ von mindestens tausend intelligenten außerirdischen Zivilisationen aus – andere Schätzungen liegen sogar bei einer pro Galaxie. Wenn dort Leben entstanden ist, dann unter ganz anderen chemischen Bedingungen. Warum sollte dann ausgerechnet die irdische Bauform die einzige sein, die Bewusstsein hervorbringt?

Die Autoren ziehen einen Vergleich zur kopernikanischen Wende: Einst glaubte der Mensch, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums. Heute wissen wir, dass wir nur ein unbedeutender Planet unter Milliarden sind. Ähnlich, so die Forscher, sollten wir auch beim Bewusstsein denken. Es wäre „terrozentrisch“ – also erdzentriert – anzunehmen, dass nur Wesen mit unserer Biologie denken und fühlen können. Sie nennen das das „kopernikanische Prinzip des Bewusstseins“.

Die Arbeit hat auch Folgen für die Debatte um künstliche Intelligenz. Zwar sind sich die Autoren uneinig, ob heutige Computer bereits bewusst sein können. Aber sie sind sich einig: Wenn Bewusstsein nicht an Fleisch und Blut gebunden ist, dann ist es grundsätzlich denkbar, dass eines Tages auch Maschinen ein subjektives Erleben haben. Die Frage sei nicht, ob Silizium ein menschliches Gehirn nachbauen könne, sondern welche Systeme überhaupt bewusstseinsfähig seien. So wie Vögel, Fledermäuse und Insekten auf ganz unterschiedliche Weise fliegen, könnte es auch viele verschiedene Formen von Bewusstsein geben – jede fremdartig und doch echt.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

So erzählst du es weiter

„Stell dir vor, Bewusstsein könnte in einem Felsen stecken – oder in einer KI. Genau das behauptet eine neue Studie."

Der tägliche Lichtblick

Magst du solche Geschichten?

Hol dir jeden Morgen eine — kuratiert, belegt, werbefrei. Kein Doomscrolling.

Weiteres aus wissenschaft