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DNA aus Flusswasser erfasst alle Tierarten

Eine Liter Wasser reicht: Umwelt-DNA macht Artenschutz global vergleichbar und günstig.

Stellen Sie sich vor, zwei erfahrene Biologen untersuchen denselben Fluss – und kommen mit völlig unterschiedlichen Artenlisten zurück. Keiner hat unrecht, aber die Daten sind nicht vergleichbar. Genau dieses Problem hat jahrzehntelang verhindert, dass Artenschutz global funktioniert. Denn ohne einheitliche Messmethode lässt sich nicht sagen, ob eine Maßnahme wirklich wirkt.

Die Lösung steckt in einem Liter Wasser. Jedes Lebewesen, das in oder an einem Fluss lebt, verliert Hautzellen, Speichel oder andere Spuren – sogenannte Umwelt-DNA (eDNA). Diese bleibt Tage bis Wochen im Wasser. Das britische Unternehmen NatureMetrics hat eine Methode entwickelt, diese DNA-Spuren aus dem Wasser zu filtern und im Labor zu entschlüsseln. Die gleiche Technologie, die in der Forensik verwendet wird, identifiziert dann jede Art – vom Fisch über den Frosch bis zur Libelle. Kein Tier muss gefangen oder gestört werden.

Die Methode ist so einfach, dass sogar ein fünfjähriges Kind sie anwenden kann – und das mit „ausgezeichneten Ergebnissen“, wie CEO Dimple Patel berichtet. NatureMetrics hat bereits Proben aus 116 Ländern verarbeitet und mit über 600 Organisationen zusammengearbeitet. Ein Meilenstein wurde dieses Jahr erreicht: Zehn Prozent der Erdoberfläche wurden mit eDNA erfasst. Das ermöglicht erstmals einen globalen, standardisierten Blick auf die Artenvielfalt.

Die Bedeutung ist enorm: Seit 1970 sind die Bestände von Süßwasserarten um 84 Prozent eingebrochen. Mehr als die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung hängt direkt oder indirekt von intakten Ökosystemen ab. Doch ohne verlässliche Daten konnten Unternehmen und Regierungen den Zustand der Natur kaum in ihre Entscheidungen einbeziehen. Das ändert sich jetzt. NatureMetrics arbeitet nicht nur mit Naturschutzorganisationen wie dem WWF, sondern auch mit Bergbaukonzernen, Energieproduzenten und Agrarkonzernen. Sogar Konsumgüterhersteller nutzen die Daten, um die Bodenmikroben zu verstehen, die unsere Nahrungsmittelproduktion erst ermöglichen.

Patels Vision geht noch weiter: Sie will die Natur in die Bilanz von Unternehmen bringen. „Wir wollen, dass Natur auf Bilanzen erscheint“, sagt sie. Organisationen sollen den Wert der Natur und die Auswirkungen ihres Handelns genauso erfassen wie finanzielle Posten. Die Daten dafür sind da – die Herausforderung ist, Führungskräfte davon zu überzeugen, sie auch zu nutzen. Die Anerkennung als Finalist des Earthshot Prize, einer renommierten Auszeichnung des Prince of Wales, hilft dabei, Türen in Vorstandsetagen zu öffnen. Denn sie zeigt: Die Wissenschaft ist seriös und unabhängig geprüft.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

So erzählst du es weiter

„Stell dir vor: Ein Liter Wasser verrät, welche Tiere in einem Fluss leben – ohne sie zu fangen. Das gibt's jetzt wirklich."

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