Zurück
klima Pakistan · PK

Energiekrise beschleunigt den Umstieg auf Sonnenenergie

Nach Lieferengpässen bei Öl stieg Pakistans Solarstrom-Anteil von 3 auf 32 Prozent – und spart über 12 Milliarden Dollar.

Wenn eine wichtige Öl-Handelsroute wie die Straße von Hormus zwischen dem Persischen Golf und dem Indischen Ozean blockiert wird, spüren das nicht nur Autofahrer an der Tankstelle. Auch Lebensmittel werden teurer, weil ein Großteil des weltweiten Kunstdüngers aus Erdgas hergestellt wird. Genau das drohte in diesem Frühjahr, als sich die Lage im Nahen Osten zuspitzte – und plötzlich rückten Lösungen in den Fokus, für die Klimaschützer seit Jahren werben.

Der Umweltberater Hugh Knowles, früher Geschäftsführer von Friends of the Earth, verweist auf Pakistan als Beispiel. Das Land ist stark von importiertem Öl und Gas abhängig und deshalb besonders anfällig für Störungen wie den Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Doch weil Pakistan in den vergangenen Jahren kräftig in Solarenergie investiert hat, stieg der Anteil von Sonnenstrom am Strommix von 2,9 Prozent im Jahr 2020 auf 32 Prozent Ende 2025. Das hat dem Land laut Knowles bereits über zwölf Milliarden Dollar an Öl-Importkosten erspart – für 2026 werden weitere 6,3 Milliarden Dollar an Einsparungen erwartet.

Der Autor und Umweltaktivist Bill McKibben bringt den Vorteil der Sonnenenergie auf den Punkt: Das Sonnenlicht müsse 93 Millionen Meilen zurücklegen, um die Erde zu erreichen – aber keine dieser Meilen führe durch die Straße von Hormus. Erneuerbare Energien sind zudem sicherer, weil sie über viele kleine Anlagen verteilt sind, statt an einem einzigen, angreifbaren Kraftwerk zu hängen. Die Ukraine baut deshalb ihre Solar- und Windkraft aus: Ein Kohlekraftwerk lässt sich mit einer einzigen Rakete lahmlegen, für den gleichen Schaden an einem Windpark bräuchte es laut dem Energieunternehmen DTEK rund 40 Raketen.

Auch in der Landwirtschaft zeigt sich die Verwundbarkeit fossiler Lieferketten: Ein Großteil des weltweit gehandelten Stickstoffdüngers stammt aus Erdgas, dessen Preis durch die Krise stark gestiegen ist. Betriebe, die auf regenerative Landwirtschaft setzen und weniger Kunstdünger brauchen, kamen deutlich günstiger davon – ihre Ernteerträge lagen einem Bericht von 2025 zufolge nur ein bis zwei Prozent niedriger, während sie über 60 Prozent der Düngerkosten sparten. Parallel wächst das Interesse an Algen als natürlichem Dünger: Britische Landwirte testen inzwischen Drohnen, die Algenpräparate auf Weizenfeldern verteilen, und vor der niederländischen Küste hat eine neue, von Amazon mitfinanzierte Algenfarm zwischen Offshore-Windrädern ihre erste Ernte eingefahren.

Ob dieser Schwung anhält, ist offen. Schon nach der Ölkrise von 1973 gab es einen Schub bei Energieeffizienz, der wieder verpuffte, sobald die Preise fielen. Die eigentliche Gefahr liegt deshalb weniger darin, dass der Umstieg technisch nicht gelingen könnte, sondern darin, dass die Dringlichkeit nachlässt, sobald die Straße von Hormus wieder frei befahrbar ist.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

So erzählst du es weiter

„Krass: Pakistan hat seinen Solarstrom-Anteil in fünf Jahren verzehnfacht — und dabei über 12 Milliarden Dollar an Öl-Importen gespart."

Der tägliche Lichtblick

Magst du solche Geschichten?

Hol dir jeden Morgen eine — kuratiert, belegt, werbefrei. Kein Doomscrolling.

Weiteres aus klima