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Erste Frau und erster Ostdeutscher an der Spitze des Goethe-Instituts

Gitte Zschoch wird neue Generalsekretärin – ein Signal für Diversität und Perspektivwechsel

Hintergrund

Das Goethe-Institut ist die weltweit größte Mittlerorganisation deutscher Kulturpolitik im Ausland. Mit 154 Instituten und Verbindungsbüros in 100 Ländern sowie mehr als 4000 Mitarbeitern und einem Budget von rund 575 Millionen Euro ist es ein zentraler Akteur der deutschen Soft Power. Bislang wurde die Organisation stets von westdeutschen Männern geführt – zuletzt von Johannes Ebert, der 20 Jahre älter ist als seine Nachfolgerin.

Gitte Zschoch bringt eine ungewöhnliche Biografie mit: Sie wuchs in Frohburg (Sachsen) auf, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft in München und machte ihren Master auf Koreanisch in Seoul. Später arbeitete sie für das Goethe-Institut in Tokio und Johannesburg, baute das Institut in Kinshasa (Demokratische Republik Kongo) auf und leitete das Netzwerk der europäischen Kulturinstitute Eunic in Brüssel. Seit 2021 ist sie Generalsekretärin des Ifa (Institut für Auslandsbeziehungen), das den Deutschen Pavillon bei der Venedig-Biennale ausrichtet.

Was ist passiert

Am 18. Juli 2025 übernimmt Gitte Zschoch die Position der Generalsekretärin des Goethe-Instituts. Sie ist die erste Frau und der erste Mensch aus Ostdeutschland in dieser Rolle. Ihre Berufung wurde vom Goethe-Institut offiziell bekannt gegeben. Zschoch selbst betont, dass sie ihren Weg nicht nach einem Karriereplan gegangen sei, sondern ihren Interessen gefolgt sei – eine Haltung, die sie in einem Interview mit der Berliner Zeitung als „einfach meinen Weg gehen“ beschrieb.

Die Entscheidung fällt in eine Zeit geopolitischer Spannungen: Die Institute in Moskau und Sankt Petersburg sind zwar noch offen, aber öffentliche Veranstaltungen finden kaum statt. Die Außenstelle in Gaza ist seit 2023 geschlossen, ebenso die Institute im Sudan und im Jemen. Zschoch kündigt an, die Netzwerke des Instituts zu nutzen, um „auch in Krisenzeiten Dialogräume offen zu halten“.

Warum das wichtig ist

Diese Personalie ist mehr als ein Führungswechsel. Sie signalisiert einen strukturellen Wandel in der deutschen Kulturpolitik. Zschoch bringt eine Perspektive mit, die in deutschen Institutionen lange unterrepräsentiert war: die eines Menschen aus Ostdeutschland, der selbst erfahren hat, wie es ist, „nicht auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden“. Diesen Erfahrungsschatz will sie nutzen, um das Goethe-Institut strategisch weiterzuentwickeln – insbesondere im globalen Süden, wo viele Länder ähnliche Erfahrungen mit Machtgefällen gemacht haben.

Zschoch hat sich ihren sächsischen Dialekt abtrainiert, um nicht als Ostdeutsche erkennbar zu sein – ein Beispiel für die Anpassungsleistungen, die viele Ostdeutsche erbracht haben. Heute sitzt sie selbst in Auswahlgremien und registriert befriedigt, dass soziale Herkunft zunehmend berücksichtigt wird. Ihre Berufung ist ein konkretes Zeichen dafür, dass Diversität nicht nur ein Schlagwort ist, sondern in der Führungsebene deutscher Institutionen ankommt.

Ausblick

Zschoch steht vor großen Herausforderungen: Sie muss das Goethe-Institut in einer Zeit führen, in der autoritäre Strömungen weltweit zunehmen und der Dialog mit vielen Ländern schwieriger wird. Ihr Ansatz, „Dialogräume offen zu halten“, könnte sich als entscheidend erweisen. Gleichzeitig wird sie die strategische Ausrichtung des Instituts weiterentwickeln müssen – mit einem Budget von 575 Millionen Euro und einem Netzwerk, das von Tokio bis Kinshasa reicht.

Die Kulturhistorikerin und ehemalige Ifa-Kollegin betont, dass Zschochs Erfahrung im Kongo und in Brüssel sie ideal auf diese Aufgabe vorbereitet habe. Ob sie den „Tanker Goethe-Institut“ tatsächlich in neue Fahrwasser lenken kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Eines ist jedoch klar: Mit ihrer Berufung hat das Institut bereits einen wichtigen Perspektivwechsel vollzogen.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

So erzählst du es weiter

„Endlich eine Ostdeutsche und eine Frau an der Spitze des Goethe-Instituts – das ist ein echter Wendepunkt!"

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