EU: Energiekrise macht grüne Wende günstiger
Studie: Beschleunigte Dekarbonisierung spart EU bis 2050 rund 3% des BIP

Die Energiekrise, ausgelöst durch den Ukraine-Krieg, hat die EU vor eine gewaltige Herausforderung gestellt. Plötzlich waren die Energiepreise explodiert, und die Abhängigkeit von russischem Gas wurde zur existenziellen Bedrohung. Doch eine neue Studie zeigt nun: Diese Krise hat auch eine positive Seite. Sie macht den Umstieg auf erneuerbare Energien deutlich günstiger als bisher angenommen.
Forschende haben mit zwei Computermodellen berechnet, welche Strategien die EU am besten durch die Krise bringen. Kurzfristige Lösungen wie mehr Kohle oder Biomasse erwiesen sich als zu teuer oder zu schädlich für die Gesundheit. Auch weniger Autofahren oder das Absenken der Heizung um drei Grad bringen nur wenig. Die Lösung liegt woanders: in einer grundlegenden Neuordnung des Energiesystems.
Drei Szenarien wurden als besonders vielversprechend identifiziert: mehr Elektrifizierung, mehr Solar- und Windkraft und weniger privater Autoverkehr. Zwar kostet der Aufbau neuer Infrastruktur viel Geld. Doch die Einsparungen durch niedrigere Brennstoffkosten, weniger Luftverschmutzung und geringere Klimaschäden sind noch größer. Besonders Osteuropa profitiert, weil Länder wie Polen, Lettland, die Slowakei und Ungarn besonders stark von russischen Importen abhängig waren.
Die Studie geht noch weiter: Wenn die Energiepreise so hoch bleiben wie im August 2022, lohnt es sich sogar, die EU-Ziele für erneuerbare Energien um fünf, zehn oder sogar zwanzig Jahre vorzuziehen. Die Ersparnisse sind größer als die Kosten für den schnellen Bau neuer Kraftwerke. Allerdings zeigt die Analyse auch, dass nicht jedes Land gleich profitiert – maßgeschneiderte Strategien sind nötig, um die Vorteile gerecht zu verteilen.
Selbst ein noch ehrgeizigeres Ziel – 80% erneuerbare Energien bis zur Mitte des Jahrhunderts – wäre bei moderaten Preisen bereits wirtschaftlich. Die Forschenden fassen zusammen: Sobald Energiepreise eine bestimmte Schwelle überschreiten, wird ein früherer Beginn der Energiewende immer vorteilhafter. Die Krise wird so zum Katalysator für eine sauberere, unabhängigere und letztlich günstigere Energiezukunft.
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