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Forscher filmen erstmals die Reifung menschlicher Eizellen

Neue Erkenntnisse zur Chromosomenverteilung könnten die Erfolgsrate von IVF-Behandlungen deutlich verbessern.

Die biologische Uhr tickt – das ist keine Metapher, sondern ein messbares Phänomen. Ab 30 Jahren steigt das Risiko für Fehlgeburten auf zwölf bis zwanzig Prozent, ab 35 endet fast jede dritte Schwangerschaft vor der zwölften Woche. Der Grund liegt in den Eizellen selbst: Frauen werden bereits vor ihrer Geburt mit allen Eizellen ausgestattet, die sie jemals haben werden. Diese Zellen lagern jahrzehntelang im Körper, altern mit ihm und sammeln Schäden an. Besonders kritisch ist die Verteilung der Chromosomen – der Träger der Erbinformation – während der Eizellreifung. Fehler dabei führen zu Eizellen mit zu vielen oder zu wenigen Chromosomen, was Fehlgeburten verursacht oder eine Schwangerschaft gar nicht erst entstehen lässt.

Melina Schuh, Direktorin am Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften in Göttingen, hat mit ihrem Team einen Durchbruch erzielt: Erstmals gelang es ihnen, die Reifung einer menschlichen Eizelle live zu filmen. Dabei beobachteten sie die sogenannte Spindel – eine filigrane Struktur aus Proteinfasern, die während der Zellteilung die Chromosomen korrekt auf die Tochterzellen verteilt. Die Aufnahmen zeigten Überraschendes: Die menschliche Spindel ist deutlich fragiler und fehleranfälliger als die von Mäusen, die bislang als wichtigstes Forschungsmodell dienten. „Selbst bei jungen Frauen haben 20 bis 25 Prozent der Eizellen Fehler“, erklärt Schuh.

Doch die Forschung liefert nicht nur eine präzisere Diagnose, sondern auch Ansätze für eine Therapie. Schuhs Team hat Methoden entwickelt, um die Stabilität der Spindel zu verbessern und das Auseinanderfallen von Chromosomen teilweise zu verhindern. Ziel ist es, künftig mehr gesunde Eizellen für die In-vitro-Fertilisation (IVF) nutzbar zu machen – also die Befruchtung im Reagenzglas. Mit ihrem Start-up Ovo Labs arbeitet Schuh daran, die Ergebnisse so schnell wie möglich in die klinische Praxis zu überführen. Die Hoffnung: eine höhere Erfolgsrate bei Kinderwunschbehandlungen, weniger körperliche und psychische Belastung für die Patientinnen und geringere Kosten durch weniger Fehlversuche.

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„Stell dir vor, man könnte die biologische Uhr ein Stück weit zurückdrehen – genau das haben Forscherinnen in Göttingen jetzt geschafft."

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