Französische Stadt verabschiedet Charta zum Schutz ihrer Bäume
Sceaux schützt über 65.000 Bäume mit einer umfassenden Charta – inklusive Nachpflanzpflicht und Bürgerbeteiligung.

Bäume in Städten sind nicht nur schön anzusehen – sie kühlen die Luft, filtern Schadstoffe, speichern Regenwasser und bieten Lebensraum für Tiere. Doch sie sind bedroht: Trockenheit, Schädlinge, Versiegelung und Bauarbeiten setzen ihnen zu. Die französische Stadt Sceaux, südlich von Paris, hat darauf eine ungewöhnlich umfassende Antwort gefunden: eine Baum-Charta, die der Gemeinderat am 2. Oktober 2019 einstimmig verabschiedete.
Die Charta ist kein Gesetz, sondern ein verbindlicher Leitfaden für die Stadtverwaltung und eine Einladung an Bürger und Unternehmen. Sie ruht auf drei Säulen: Erstens soll das Wissen über die Bäume vertieft werden – dafür wurde ein Kataster aller 65.000 Bäume erstellt, das regelmäßig aktualisiert wird. Zweitens geht es um die Gesundheit der Bäume: Ein spezielles Team pflanzt, gießt und pflegt sie, und es werden nur noch Arten gesetzt, die mit dem lokalen Klima zurechtkommen – vor allem trockenheitsresistente. Drittens sichert die Charta die Zukunft: Für jeden gefällten Baum müssen zwei neue gepflanzt werden, und bei Bauarbeiten zahlen Unternehmen eine Ausgleichsgebühr. Bürger erhalten bis zu 200 Euro Zuschuss, wenn sie selbst Bäume pflanzen.
Die Stadt arbeitet auch mit großen Grundbesitzern wie der französischen Bahngesellschaft RATP zusammen, um Bäume auf deren Flächen zu schützen. „Wir sehen Bäume als langfristige Investition“, sagt Bürgermeister Philippe Laurent. „Sie fördern die Artenvielfalt, stärken die Widerstandsfähigkeit der Stadt und helfen uns zu entspannen.“ Die Baum-Charta ist Teil einer größeren Strategie: Sceaux hat bereits 143 „bemerkenswerte Bäume“ ausgezeichnet, darunter eine 240 Jahre alte Purpurbuche. Die Stadt entfernt zudem Betonflächen, um „Hitzeinseln“ zu bekämpfen, und pflanzt neue Bäume, die Schatten spenden.
Experten wie Ian Whitehead vom Europäischen Forstinstitut loben den Ansatz, weisen aber auf Herausforderungen hin: Die Baumvielfalt müsse auch das Alter und die Verteilung berücksichtigen. Und die Charta sei nur so gut wie ihre Umsetzung – vor allem bei privaten Grundbesitzern stoße die Stadt manchmal auf Gleichgültigkeit. Dennoch zeigt das Beispiel Sceaux, wie Städte ihre grüne Infrastruktur systematisch schützen können. Angesichts der Prognose, dass bis 2050 68 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben werden, gewinnen solche Modelle an Bedeutung.
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„Stell dir vor, deine Stadt pflanzt zwei Bäume für jeden gefällten – genau das macht Sceaux!"
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