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Gila River darf wieder natürlich fließen – Hochwasser hilft

Studie zeigt: Alte Flutrinnen verbinden Bäume mit Grundwasser, machen Ökosystem widerstandsfähiger

Flüsse brauchen ihre wilden Momente. Das klingt erstmal ungewohnt, denn wir Menschen haben Flüsse seit Jahrhunderten gezähmt: Wir bauen Dämme, begradigen Ufer und drängen sie in enge Kanäle. Doch eine neue Studie am Gila River in New Mexico zeigt, warum genau das ein Problem ist. Die Forscherinnen Ellen Soles, Martha Cooper und Laurel Saito haben über ein Jahrzehnt lang beobachtet, was passiert, wenn ein Fluss sich wieder wie ein Fluss verhalten darf.

Der Gila River im Südwesten der USA war früher ein wilder, mäandernder Strom. Dann kamen Siedler, die ihn kanalisierten, Uferdämme bauten und die Auen landwirtschaftlich nutzten. Bis 1960 war die aktive Überschwemmungszone auf weniger als die Hälfte ihrer ursprünglichen Breite geschrumpft, die heimischen Wälder auf 40 bis 50 Prozent reduziert. Doch ab den 1980er Jahren änderte sich etwas: Die Menschen hörten auf, den Fluss weiter einzuzwängen, und entfernten das Vieh von den Ufern.

Das Erstaunliche: Der Fluss erholte sich von selbst. Bei Hochwasser entstehen sogenannte Sekundärkanäle – alte Flutrinnen, die sich mit Wasser füllen und dann wieder trockenfallen. Diese Kanäle sind überlebenswichtig, denn sie verbinden die Wurzeln von Bäumen wie Pappeln und Weiden mit dem Grundwasser. Selbst wenn der Fluss an der Oberfläche fast trocken ist, können die Pflanzen so überleben. Martha Cooper, heute Leiterin des Süßwasserprogramms von The Nature Conservancy in New Mexico, erinnert sich an einen Schlüsselmoment: „Als der Fluss Hochwasser führte, brach mein Fuß durch den Boden – und darunter strömte Wasser. Es war ein alter, zugeschlickter Kanal, der noch immer lebendig war.“

Die Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Hydrological Processes, zeigt, dass diese natürliche Dynamik das gesamte Ökosystem widerstandsfähiger macht. In den letzten Jahren haben Anwohner bei Überschwemmungen weniger Land verloren als früher, weil die Wälder das Wasser bremsen. Gleichzeitig profitieren seltene Fisch- und Vogelarten, die seit Jahrzehnten erforscht werden. Die Forscherinnen warnen jedoch: Der Klimawandel bringt extremere Dürren und stärkere Regenfälle – genau die Mischung, die Flüsse brauchen, um sich anzupassen. „Große Fluten sind wie Architekten, mittlere halten alles am Leben“, sagt Cooper. „Ich denke nicht wütend über sie, sondern sehe sie als kraftvoll und schön.“

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