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wissenschaft Indischer Ozean · IO

Größter Wal-Friedhof im Indischen Ozean entdeckt

Fast 500 Walkadaver auf 660 Meilen – ein Hotspot für unbekannte Tiefsee-Arten

Wenn ein Wal stirbt und auf den Meeresboden sinkt, beginnt ein neues Kapitel des Lebens. Sein Kadaver – ein sogenannter „Whale Fall“ – wird zur Oase für Tiefseeorganismen, die auf diese seltene Nahrungsquelle angewiesen sind. Seit den 1980er Jahren ist bekannt, dass Walkadaver für Hunderte von Arten überlebenswichtig sind. Doch was chinesische Wissenschaftler nun im Diamantina-Graben im Indischen Ozean fanden, übertrifft alle Erwartungen.

In einer Tiefe von rund 6.000 Metern entdeckten sie fast 500 Walkadaver auf einer Fläche von über 1.000 Kilometern Länge. Mit einem Roboterarm bargen sie 485 Knochen, darunter Fossilien, die bis zu 5,3 Millionen Jahre alt sind. Die Forscher schätzen, dass dort insgesamt bis zu zehn Millionen tote Wale liegen könnten – die meisten von ihnen verschiedene Schnabelwal-Arten. „Eine Nekropole dieser Größenordnung zu entdecken, war völlig unerwartet“, sagte der Meeresbiologe Xiaotong Peng gegenüber AFP.

Die Kadaver sind nicht nur ein Friedhof, sondern auch ein Paradies für das Leben in der Tiefsee. Muscheln, Schlangensterne, Würmer und Quallen – viele davon möglicherweise unbekannte Arten – tummeln sich auf den Überresten. Die Forscher fanden sogar Arten, die sonst nur an hydrothermalen Quellen vorkommen, heißen Austrittsstellen von mineralreichem Wasser am Meeresboden. Das legt nahe, dass Walkadaver und hydrothermale Quellen ähnliche Lebensbedingungen bieten: Beide liefern Schwefelverbindungen, die bestimmte Bakterien und die von ihnen abhängigen Tiere nutzen.

Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal Deep Sea Research Part I, zeigt, dass Wal-Friedhöfe als „evolutionäre Hotspots“ fungieren können. Sie dienen als Trittsteine für die Verbreitung von Tiefseearten, die auf Schwefel angewiesen sind. „Die lebendigen Ökosysteme, die wir sahen, boten eine völlig andere Perspektive auf diesen sonst dunklen und kalten Meeresboden“, sagte Koautor Zhou Peng. Die Entdeckung unterstreicht, wie wichtig Wale nicht nur für die Meeresökologie an der Oberfläche sind, sondern auch für das Leben in der Tiefe – selbst nach ihrem Tod.

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„Stell dir vor: Tausende Walkadaver auf dem Meeresgrund – und darauf blüht das Leben. Genau das wurde jetzt entdeckt."

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