In der trockensten Wüste der Welt ernten Dörfer Nebel
Netze fangen die Wolken, die vom Pazifik landeinwärts ziehen — und liefern Trinkwasser, wo Tanklaster zu teuer sind.
Es gibt Orte in Chiles Atacama-Wüste, an denen noch nie Niederschlag gemessen wurde. In anderen fällt Regen ein paar Mal pro Jahrhundert. Sie zählt zu den trockensten Regionen der Erde.
Für die Menschen, die dort leben, bedeutet das eine tägliche Logistikaufgabe. In vielen ländlichen Gemeinden muss die Kommune Wasser aus anderen Landesteilen mit Lastwagen heranschaffen oder aus tiefen Brunnen fördern. In schwerer erreichbaren Siedlungen ist beides weder kosteneffizient noch verlässlich.
Deshalb haben Bewohnerinnen und Forschende nach Wegen gesucht, Wasser direkt aus der Umgebung zu holen — und sind bei etwas gelandet, das ohnehin regelmäßig vorbeizieht: dem Nebel, der weite Teile Nordchiles einhüllt.
Die Mechanik dahinter ist geografisch bedingt. Vor der Pazifikküste kühlen kalte Meeresströmungen die Luft ab, sodass sich niedrige Wolken bilden. Diese ziehen landeinwärts, werden von den Küstenbergen gestoppt und legen sich dort auf Bodenhöhe.
„Ganz einfach gesagt müssen wir verstehen, dass Wolken aus Wassertröpfchen bestehen“, sagt Camilo del Río, Direktor des Atacama-Wüstenzentrums der Katholischen Universität in Chile. „Sie sind bereits gebildet, bereits kondensiert. Wann immer also eine Wolke vom Wind transportiert wird und mit der Erdoberfläche in Kontakt kommt, sind das Tausende und Abertausende Liter, die die Oberfläche berühren.“
Genau darin liegt der Reiz des Verfahrens, das im Englischen fog harvesting heißt — Nebelernte. Anders als bei der Entsalzung von Meerwasser muss keine Energie aufgewendet werden, um Wasser aus etwas anderem zu lösen. Das Wasser ist bereits Wasser. Es muss nur aufgefangen werden.
In der Praxis geschieht das mit fein gewebten Netzen, die senkrecht im Wind stehen. Die Tröpfchen schlagen sich am Gewebe nieder, laufen zusammen und tropfen in Rinnen und Tanks.
Lokale Gruppen gewinnen auf diese Weise inzwischen genug Nebelwasser, um ihre Trinkwasserversorgung zu ergänzen und landwirtschaftliche Projekte zu stützen.
Es bleiben allerdings erhebliche Herausforderungen. Forschende arbeiten daran, den Nebel effizienter zu ernten — denn die Ausbeute hängt von Windrichtung, Netzmaterial und Standort ab, und nicht jeder Ort in der Wüste liegt dort, wo die Wolken auf die Berge treffen.
Eine flächendeckende Lösung für die Wasserknappheit ist es damit nicht. Für Siedlungen, zu denen kein Tanklaster fährt, ist es der Unterschied zwischen abhängig und versorgt.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
So erzählst du es weiter
„In der trockensten Wüste der Welt spannen Dörfer Netze auf und ernten den Nebel. Das Wasser ist schon da — es muss nur aufgefangen werden."
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