Kalifornien testet Deich, der wie ein Strand funktioniert
Statt Beton und Felsen schützt in Palo Alto jetzt eine sanft geneigte Pflanzenfläche vor Überflutung – und reinigt nebenbei Abwasser.
Besucher:innen des Palo Alto Baylands Nature Preserve in Kalifornien blicken meist auf kreisende Vögel und goldene Hügel jenseits der Bucht – und übersehen dabei leicht, dass die Bucht hier auch ihren neuesten Deich beherbergt. Klassische Deiche sehen aus wie steile, kahle Böschungen oder mit Felsblöcken verkleidete Wände, die zusätzliche Höhe gegen Überflutung aufbauen. Das Projekt in Palo Alto trägt zwar denselben Namen, ist aber grundlegend anders gebaut.
Auf der Fläche wachsen mehr als 35 heimische Pflanzenarten, die sich in einer flachen, allmählich ansteigenden Neigung über eine größere Strecke erstrecken statt in die Höhe zu ragen. „Wenn man sich Deiche entlang der Bucht ansieht, haben die oft sehr steile Fronten mit riesigen Felsen davor, die vor Windwellen schützen sollen", erklärt Mark Lindley, leitender Ingenieur des Projekts. „Durch diese flache, dicht bepflanzte Neigung statt Fels brechen sich die Wellen auf ihr wie an einem Strand."
Der sogenannte horizontale oder „lebende" Deich ist Teil eines wachsenden Trends in der San Francisco Bay Area, solche grünen Infrastrukturen sowohl für Hochwasserschutz als auch für die Wiederherstellung von Lebensräumen zu nutzen. Der 2017 fertiggestellte Oro-Loma-Deich bei Hayward war der erste seiner Art und diente als Vorbild für das Palo-Alto-Projekt und weitere. Palo Alto ist jedoch das erste Projekt, das direkt mit der Bucht hydrologisch verbunden ist: Unter Pflanzen, Erde und Kiesschichten führt eine Leitung geklärtes Abwasser vom gegenüberliegenden Klärwerk der Stadt zur Bewässerung des Deichs. Dabei nehmen die Pflanzen Stickstoff auf, der in zu hoher Konzentration schädliche Algenblüten auslösen kann, bevor das Wasser in die Bucht sickert – laut der leitenden Ingenieurin Samantha Engelage von der Stadt Palo Alto ein reiner Zusatznutzen, denn das Wasser aus der Anlage erfüllt schon jetzt die Vorgaben für die Einleitung in die Bucht.
Indem der Deich die Natur nachahmt, schafft er zugleich Lebensraum für einheimische Arten – und zeigt, wie Hochwasserschutz und Ökologie sich verbinden lassen, statt sich zu widersprechen.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Statt Beton und Felsen schützt in Kalifornien jetzt eine Pflanzenfläche vor Überflutung – und reinigt nebenbei Abwasser."
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