Armenien öffnet Bahnverbindung in die Türkei und EU
Nach 32 Jahren Eiszeit erhält Armenien direkten Schienenanschluss an europäische Märkte

Der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan hat die Wiedereröffnung der Bahnstrecke Akhalkalaki–Kars für den armenischen Außenhandel verkündet. Die Verbindung führt vom armenischen Schienennetz nordwärts ins georgische Akhalkalaki und von dort westwärts in die ostanatolische Stadt Kars. Damit erhält Armenien erstmals seit 32 Jahren wieder einen direkten Bahnanschluss an die Türkei und über diese an das europäische Schienennetz.
Die ursprüngliche Trasse stammt aus sowjetischer Zeit und war zuletzt 1993 in Betrieb. Ihre Schließung stand im Zusammenhang mit dem armenisch-türkischen Grenzkonflikt und dem ersten Krieg um Bergkarabach. Ankara hatte die Grenze damals zur Unterstützung Aserbaidschans geschlossen. Seit der Unabhängigkeit Armeniens 1991 bestehen zwischen beiden Ländern keine formellen diplomatischen Beziehungen.
„Ich freue mich, bekannt geben zu können, dass die Bahnstrecke Akhalkalaki–Kars, ebenso wie die aserbaidschanische Bahnverbindung, nun für Exporte aus Armenien und Importe nach Armenien geöffnet ist“, schrieb Paschinjan auf X. Er dankte den Partnern in der Türkei und in Georgien und bezeichnete den Schritt als „großes Ereignis im wirtschaftlichen Leben unseres Landes“. Armenien könne nun per Schiene nicht nur Russland über Georgien und Aserbaidschan erreichen, sondern auch europäische Märkte über die Türkei.
Die Wiedereröffnung verändert die Verkehrslage im Südkaukasus grundlegend. Armenien gewinnt eine Schienenanbindung an die Türkei und das europäische Netz, ohne Fracht über Russland oder den Iran leiten zu müssen. Die Strecke koppelt das Land an den Korridor Baku–Tiflis–Kars an, der seit 2017 Güter zwischen dem Kaspischen Meer und Europa transportiert und im vergangenen Jahr rund fünf Millionen Tonnen abwickelte. Der sogenannte Mittlere Korridor, offiziell Trans-Caspian International Transport Route, verbindet auf etwa 4000 Kilometern China und Zentralasien über das Kaspische Meer, den Südkaukasus und die Türkei mit Europa. Seit dem Beginn des Ukraine-Krieges hat das Interesse an dieser Route zugenommen, da westliche Staaten und Unternehmen Alternativen zu den nördlichen Transitwegen über russisches Territorium suchen.
Eine zentrale Rolle in den Planungen spielt das von den USA unterstützte TRIPP-Projekt (Trump Route for International Peace and Prosperity). Es soll einen multimodalen Verkehrskorridor durch Armenien schaffen, der das aserbaidschanische Kernland mit der Exklave Nachitschewan und der Türkei verbindet. „Wenn das TRIPP-Projekt umgesetzt wird, werden wir eine Eisenbahn durch Meghri haben, die nach Nachitschewan, von Nachitschewan nach Yeraskh, von Yeraskh nach Gjumri, von Gjumri nach Akhurik und von Akhurik in die Türkei führt“, sagte Paschinjan. Armenien werde dann eine Schienenanbindung „vom Persischen Golf bis zum Schwarzen Meer“ zu den georgischen Häfen Batumi, Poti und Anaklia haben.
Für Armenien könnte die Normalisierung mit der Türkei die wirtschaftliche Abhängigkeit von Russland und Georgien verringern, die bislang die wichtigsten Transitrouten stellten. Für die Türkei stärkt die Öffnung ihre Rolle als Logistikdrehscheibe zwischen Europa, dem Südkaukasus und Zentralasien. Paschinjan bezeichnete die Entwicklung als Wendepunkt: „In den letzten Jahren hat sich Armenien vom Rand der Welt zum Zentrum der Welt gewandelt.“ Zugleich bleiben geopolitische Risiken bestehen. Der geplante Korridor verläuft nahe der iranischen Grenze, was Bedenken hinsichtlich regionaler Instabilität und der Verwundbarkeit westlich gestützter Infrastrukturprojekte aufwirft. Ein stärker vernetzter Südkaukasus am westlichen Ende des Mittleren Korridors macht die gesamte Route jedoch schwerer störbar und leichter skalierbar – ein Aspekt, der angesichts der Verschiebungen im eurasischen Handelsgefüge an strategischem Gewicht gewinnt.
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„Armenien verbindet sich nach 32 Jahren wieder mit der Türkei und der EU – per Bahn! 🚂"
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