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kultur Österreich · AT

Lena Schätte gewinnt Bachmann-Preis 2026

Die 32-jährige Autorin überzeugt die Jury mit einem unsentimentalen Text über Ausgrenzung und Mutterschaft.

Lena Schätte heißt die Gewinnerin des Ingeborg-Bachmann-Preises 2026. Als der Justiziar der Veranstalter im österreichischen Klagenfurt am Sonntag um kurz nach 12 Uhr ihren Namen aussprach, war auch in der Live-Fernsehübertragung auf 3sat ein Jubel aus den Publikumsreihen zu vernehmen. Die Jury votierte beim 50. Jubiläum der Tage der deutschsprachigen Literatur einmütig wie selten.

Die Auszeichnung ist erstmals mit 30.000 Euro dotiert, was mit zwei Jubiläen zu tun hat: dem des renommierten Wettbewerbs und dem 100. Geburtstag der Namensgeberin. Die Dichterin Ingeborg Bachmann stammte aus Klagenfurt. An sie wurde in den vergangenen Tagen mehrfach erinnert – nicht pflichtschuldig, sondern sehr ernsthaft als Maßstab des Schreibens.

Am Donnerstag, Freitag und Sonnabend lasen zehn Autorinnen und vier Autoren jeweils etwa 20 Minuten lang aus einem noch unveröffentlichten Text. Nach jeder Lesung debattierte die siebenköpfige Jury mindestens genauso lang darüber, in der Regel in Anwesenheit der Autoren. Die Zeiten, da Jurymitglieder sich durch die ständige Anwesenheit von Kameras zu spektakulären Urteilen hinreißen ließen, sind vorbei. Wer die Lesetage verfolgte, konnte vielmehr beobachten, wie sich alle sieben um faire Sätze bemühten.

Der erste Satz von Lena Schättes Text „Was wir tragen“ lautet: „Wir finden zueinander, weil wir die dicksten Mädchen der Schule sind.“ Eine Ich-Stimme erzählt von zwei übergewichtigen Mädchen, die sich mit der Ausgrenzung in der Schule arrangieren, sie erzählt von einer ehrgeizigen und gewalttätigen Mutter, die unter dem eigenen Verhalten leidet. Thomas Strässle sprach in seiner Laudatio von der „existenziellen Wucht“ des Textes, der es nicht nötig habe, anklagend oder gar belehrend zu sein. Er lobte die „stupende Unsentimentalität“ der Erzählstimme.

Die 32-jährige Autorin stammt aus Lüdenscheid in Nordrhein-Westfalen, arbeitete lange als Psychiatriekrankenschwester im Ruhrgebiet, begann aber früh mit dem Schreiben. Ihr Roman „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ kam 2025 auf die Longlist des Deutschen Buchpreises. Derzeit lebt Lena Schätte als Stadtschreiberin in Erfurt.

Nicht nur die Jury war sich einig, auch das Online-Publikumsvoting sah Schätte vorn. Die in Ungarn geborene Dichterin Kinga Toth erhielt den mit 15.000 Euro dotierten Kelag-Preis. Der in Berlin lebende Ozan Zakariya Keskinkilic wurde mit dem Deutschlandfunkpreis ausgezeichnet, und die österreichische Autorin Magdalena Schrefel durfte sich über den 3sat-Preis freuen. Der Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb ist auch immer ein Ausblick auf Bücher der kommenden Jahre, die gerade entstehen.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

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„Eine ehemalige Psychiatriekrankenschwester gewinnt den Bachmann-Preis – ihr Text über Ausgrenzung geht unter die Haut."

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