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Niger begrünt 5 Millionen Hektar – ganz ohne zu pflanzen

Eine einfache Bauernmethode ließ 200 Millionen Bäume aus alten Wurzeln nachwachsen und hilft 2,5 Millionen Menschen.

1983 arbeitete der australische Agrarberater Tony Rinaudo in der Sahelzone und bemerkte etwas, das nicht zum gängigen Bild der Region passte. Der Boden wirkte verödet und leer. Doch unter der ausgelaugten Erde lebten noch die Wurzeln längst gefällter Bäume. Sobald Landwirte den Druck durch übermäßige Beweidung verringerten, trieben aus diesen Wurzeln von selbst wieder grüne Triebe aus.

Aus dieser Beobachtung entstand eine Methode, die inzwischen fünf Millionen Hektar Savanne in Niger wiederbegrünt hat – umgerechnet etwa 12,4 Millionen Acres Fläche –, ohne dass ein einziger neuer Setzling gepflanzt wurde. Die Bäume waren nie wirklich verschwunden. Sie warteten unter der Erde.

Die Technik heißt "Farmer Managed Natural Regeneration" (FMNR), auf Deutsch etwa: von Bauern selbst gesteuerte natürliche Wiederbegrünung. Landwirte suchen sich aus den vorhandenen Wurzelsystemen jene Triebe aus, die sie schützen wollen, und schneiden gezielt andere zurück. Der Prozess ist langsam, bewusst gesteuert und liegt komplett in der Hand der Menschen, denen das Land gehört. Weil die nachwachsenden Bäume den Bauern direkten Nutzen bringen – Schatten, Schutz vor Bodenerosion, Feuerholz, Früchte, Futter für Tiere –, schützen sie die Pflanzen aus eigenem Interesse, nicht weil ein Programm es verlangt.

Niger hat FMNR im Jahr 2020 offiziell als nationale Methode zur Bodenwiederherstellung anerkannt. Nach Schätzungen des Weltagroforstzentrums und der NDC Partnership sind seither mehr als 200 Millionen Bäume auf gut fünf Millionen Hektar Land nachgewachsen, wovon schätzungsweise 2,5 Millionen Menschen profitieren – etwa durch mehr Ernteertrag, Feuerholz oder Schutz vor Bodenerosion.

Eingebettet ist der Erfolg in die größere afrikanische Initiative AFR100, bei der sich 33 Länder verpflichtet haben, bis 2030 rund 129 Millionen Hektar degradiertes Land wiederherzustellen. Parallel dazu verläuft die "Great Green Wall", ein rund 8.000 Kilometer langes Band aus Vegetation von Senegal bis Dschibuti durch elf Sahelstaaten, finanziert über einen Rahmen von 33 Milliarden US-Dollar unter anderem durch die Weltbank. Bis Mitte 2026 waren rund 18 Prozent des 100-Millionen-Hektar-Ziels erreicht – vier Jahre schneller als geplant. In Teilen von Burkina Faso, Niger und Mali bremsen politische Instabilität und Konflikte den Fortschritt allerdings erheblich, sodass die Great Green Wall bis 2030 wohl nur 40 bis 50 Millionen Hektar erreichen wird, weniger als die Hälfte des ursprünglichen Ziels.

Zum Vergleich lohnt ein Blick nach Äthiopien, wo im Rahmen der "Green Legacy"-Initiative jährlich Milliarden Setzlinge gepflanzt werden – allein im Juli 2019 wurden an einem einzigen Tag 350 Millionen Bäume gepflanzt. Beeindruckende Zahlen, doch Forscherinnen und Forscher des äthiopischen Umwelt- und Forstforschungsinstituts fanden heraus, dass ohne Nachpflege mehr als die Hälfte dieser Setzlinge nicht überlebt. Nigers FMNR-Ansatz hat dieses Problem nicht: Bäume, die aus bestehenden Wurzeln wachsen, bringen bereits alles mit, was sie zum Überleben brauchen, und die Bauern haben einen handfesten finanziellen Grund, sie zu schützen.

FMNR wird inzwischen in mehr als 20 weiteren Ländern erprobt, von Ghana bis Madagaskar. Fachleute des Weltagroforstzentrums gehen davon aus, dass die Methode überall dort funktionieren könnte, wo unterirdische Wurzelsysteme überlebt haben – also in weiten Teilen der Sahelzone und des südafrikanischen Savannengürtels. Ob die großen Ziele bis 2030 erreicht werden, hängt vor allem von Finanzierung und politischer Stabilität ab. Doch dass die Methode selbst funktioniert, gilt als erwiesen: Fünf Millionen wiederhergestellte Hektar in Niger, ganz ohne einen einzigen gepflanzten Baum, sind eine ziemlich eindeutige Antwort.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

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„In Niger sind 200 Millionen Bäume auf 5 Millionen Hektar nachgewachsen – ohne dass irgendjemand einen einzigen Setzling gepflanzt hat."

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