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ÖPNV-Boom in US-Städten durch hohe Spritpreise

Bis zu 13% mehr Fahrgäste in Los Angeles, Chicago und Boston – ein Zeichen für strukturellen Wandel.

In den USA erleben öffentliche Verkehrsmittel einen unerwarteten Aufschwung. Grund dafür sind die anhaltend hohen Benzinpreise, die durch den Iran-Krieg weiter angeheizt werden. In Los Angeles ist die Zahl der Fahrgäste an Werktagen seit Januar um acht Prozent gestiegen, wie Bloomberg berichtet. Noch deutlicher fällt der Zuwachs in der Bay Area aus: Hier nutzen fast elf Prozent mehr Menschen die regionalen Züge. Auch Chicago und Boston verzeichnen zweistellige Zuwächse von elf beziehungsweise 13 Prozent.

Die Frage, ob dieser Trend allein den hohen Spritpreisen geschuldet ist, lässt sich nicht abschließend beantworten. Ein Bericht der New Yorker Federal Reserve deutet jedoch darauf hin, dass viele Amerikaner ihren Benzinverbrauch reduzieren – unter anderem durch Fahrgemeinschaften oder den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel. Eine Studie der University of Maryland untermauert diesen Zusammenhang: Für jedes Prozent, das die Benzinpreise über ein Jahr hinweg steigen, wachse die Nachfrage nach Nahverkehr um 0,12 Prozent. „Der Kostendruck summiert sich mit der Zeit“, erklärt Studienleiter Hiroyuki Iseki.

Dieses Phänomen ist kein rein amerikanisches. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) fördern Regierungen weltweit den Umstieg auf Bus und Bahn – von Chile über Ägypten bis nach Pakistan und Singapur. Einige Länder gehen noch weiter: Schweden hat den Preis für Monatskarten halbiert, auf den Philippinen sind Busfahrten für Studierende und Arbeiter in manchen Städten kostenlos. Die IEA hat einen detaillierten Fahrplan für die Bewältigung der globalen Energiekrise vorgelegt. Demnach könnten Länder den Ölverbrauch für Autofahrten um bis zu drei Prozent senken, wenn sie Pendler zum Umstieg bewegen.

Die aktuellen Entwicklungen zeigen: Hohe Spritpreise können kurzfristig zu mehr Fahrgästen führen – aber erst gezielte politische Maßnahmen wie vergünstigte Tickets machen diesen Effekt nachhaltig. Für viele US-Städte könnte der Boom ein Anstoß sein, in den Ausbau ihrer Nahverkehrssysteme zu investieren. Denn wer einmal die Vorzüge von pünktlichen Bussen und sauberen Bahnen erlebt hat, steigt vielleicht auch dann nicht zurück ins Auto, wenn das Benzin wieder billiger wird.

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