Zurück
tiere Brasilien · BR

Plastikflaschen an Fischernetzen retten bedrohte Delfine

Einfache Plastikflaschen an Netzen reduzieren Delfin-Beifang um 88% – ohne Einbußen beim Fischfang.

Wale, Delfine und Schweinswale sind heute in den meisten Regionen vor der Jagd geschützt. Doch die Fischerei bleibt eine tödliche Gefahr: Unfreiwilliges Verfangen und Ertrinken in Netzen – sogenannter Beifang – ist eine der größten Bedrohungen für Wale und Delfine. Die meisten dieser Vorfälle werden durch Kiemennetze verursacht, hauchdünne, fast unsichtbare Nylonvorhänge, die im Wasser hängen und wahllos alles fangen, was hineinschwimmt.

Das Ausmaß ist weltweit verheerend. Im Indischen Ozean starben zwischen 1950 und 2018 schätzungsweise 4,1 Millionen kleine Wale und Delfine in Kiemennetzen, die auf Thunfisch ausgelegt waren. In Mexiko haben diese Netze den Schweinswal Vaquita an den Rand der Ausrottung gebracht. In US-Gewässern töteten sie in den 1990er Jahren jedes Jahr über 6.000 Meeressäuger.

Doch für zumindest einige Kiemennetze könnte die Lösung direkt im nächsten Mülleimer liegen: Plastikflaschen. Forscher der Newcastle University in Großbritannien haben eine einfache Methode entwickelt: Sie befestigten leere Plastikgetränkeflaschen in regelmäßigen Abständen an den Netzen. Die mit Luft gefüllten Flaschen wirken wie kleine Spiegel für die Echoortung der Delfine – sie reflektieren die Klicklaute, mit denen die Tiere ihre Umgebung abtasten, viel besser als das feine Netzgewebe.

Die Wissenschaftler arbeiteten mit Fischern in Südbrasilien zusammen. Zwischen 2020 und 2025 verglichen sie Netze mit und ohne Flaschen. Das Ergebnis: In den modifizierten Netzen verfing sich nur ein einziger Franciscana-Delfin, in den normalen Netzen dagegen acht Franciscana-Delfine und zwei Große Tümmler. Bereinigt um die Zeit im Wasser bedeutete das einen Rückgang des Beifangs um 88 Prozent. Gleichzeitig blieb die Fangmenge an Fischen unverändert – für die Fischer gab es also keinen Nachteil.

„Das ist echtes Recycling, das Delfine rettet“, sagte Per Berggren, der Meeresbiologe, der die Idee entwickelte. Die Methode ist extrem günstig: Leere Plastikflaschen gibt es überall. Teurere elektronische Warngeräte, die Pieptöne aussenden, werden von kleinen Fischern oft nicht angeschafft. Die Flaschen dagegen sind für jeden erschwinglich.

Allerdings ist die Methode kein Allheilmittel. Ähnliche Versuche in Sansibar und Peru mit Netzen nahe der Wasseroberfläche zeigten keine Wirkung. Berggren vermutet, dass die Oberfläche akustisch zu „laut“ ist und die Flaschen dort untergehen. Für Grundschleppnetze in Küstennähe aber – genau dort, wo die bedrohten Franciscana-Delfine jagen – könnte die einfache Idee einen großen Unterschied machen.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

So erzählst du es weiter

„Stell dir vor: Leere Plastikflaschen an Fischernetzen retten Delfine – und die Fischer fangen genauso viele Fische wie vorher."

Der tägliche Lichtblick

Magst du solche Geschichten?

Hol dir jeden Morgen eine — kuratiert, belegt, werbefrei. Kein Doomscrolling.

Weiteres aus tiere