KI für die Baumkronen: TropiCam-AI erfasst bedrohte Arten
Neues Modell schließt Lücke bei der Überwachung von baumbewohnenden Tieren in tropischen Wäldern

Künstliche Intelligenz hat die Arbeit mit Kamerafallen in der Wildtierforschung revolutioniert – zumindest am Boden. Für Tiere, die hoch oben in den Baumkronen leben, gab es bislang keine vergleichbare Technologie. Ein internationales Forschungsteam hat nun mit TropiCam-AI ein Modell vorgestellt, das genau diese Lücke schließt. Es wurde speziell dafür entwickelt, baumbewohnende Säugetiere und Vögel in den tropischen Wäldern Amerikas zu erkennen und zu identifizieren.
„Wir haben TropiCam-AI mit dem Ziel entwickelt, ein Werkzeug zu schaffen, das speziell für neotropische Kamerafallen-Erhebungen im Kronendach geeignet ist“, erklärt Andrea Zampetti, Hauptautor der Studie und Doktorand in Tierbiologie an der Sapienza-Universität Rom, im Gespräch mit Mongabay. Die Arbeit entstand in Zusammenarbeit mit dem TROPECOLNET-Projekt am Nationalmuseum für Naturwissenschaften in Madrid.
Die Bedeutung dieser Entwicklung geht weit über die Technik hinaus. Baumbewohnende Arten spielen eine zentrale Rolle in ihren Ökosystemen, insbesondere als Samenverbreiter. Studien zeigen, dass Primaten, kleine Säugetiere und Vögel in tropischen Regenwäldern bis zu 90 Prozent aller Pflanzenarten konsumieren. Gleichzeitig sind diese Arten durch ihre Abhängigkeit von Bäumen besonders anfällig für die Abholzung der Wälder.
Bislang war die Erforschung des Kronendachs eine enorme Herausforderung. In einer Anfang des Jahres veröffentlichten Studie stellten Zampetti und seine Kollegen fest, dass die KI-gestützte Auswertung von Kamerafallen für baumbewohnende Arten „stark unterrepräsentiert“ ist im Vergleich zu Modellen für Bodenlebewesen. TropiCam-AI ändert das grundlegend: Es ermöglicht eine systematische, automatisierte Überwachung von Arten, die für das Verständnis und den Schutz tropischer Ökosysteme unverzichtbar sind.
Das Modell wurde mit Tausenden von Bildern aus Kamerafallen trainiert, die in den Baumkronen neotropischer Wälder installiert waren. Es kann nicht nur verschiedene Arten unterscheiden, sondern auch deren Verhaltensweisen dokumentieren. Für Naturschutzorganisationen und Forschungseinrichtungen eröffnet dies völlig neue Möglichkeiten, die Auswirkungen von Entwaldung auf die Artenvielfalt zu messen und Schutzmaßnahmen gezielt zu steuern.
Die Veröffentlichung der Studie ist ein wichtiger Schritt, um die technologische Lücke in der Wildtierforschung zu schließen. Während KI-Modelle für terrestrische Arten bereits weit verbreitet sind, blieb das Kronendach lange Zeit eine blinde Zone. TropiCam-AI könnte nun dazu beitragen, dass auch diese versteckte Welt systematisch erfasst und geschützt wird – ein Gewinn für die Biodiversität und den globalen Artenschutz.
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