Asiatische Wildesel kehren nach 65 Jahren in die Ostmongolei zurück
Durch das Entfernen von Zäunen entlang der Transmongolischen Eisenbahn wird die Wiederbesiedlung ermöglicht.

Hintergrund
Der Asiatische Wildesel, in der Mongolei als Khulan bekannt, ist eine der am weitesten wandernden Landsäugetierarten. Die mongolische Gobi beherbergt mit rund 91.000 Tieren mehr als 84 Prozent des globalen Bestands. Seit über 65 Jahren war die Art jedoch aus der Ostmongolei verschwunden – isoliert durch die Zäune entlang der Transmongolischen Eisenbahn (TMR). Diese Barriere schnitt die Tiere von ihren angestammten Weidegründen und Wasserquellen ab und trug zur Fragmentierung ihres Lebensraums bei.
Was ist passiert
In einer gemeinsamen Anstrengung des Wildlife Conservation Society (WCS), der mongolischen Regierung und privater Partner wurden entlang mehrerer Abschnitte der Eisenbahn die Zäune entfernt. Zusätzlich wurde im Mai letzten Jahres nahe der chinesisch-mongolischen Grenze eine überwachte „sichere Passage“-Zone eingerichtet – ebenfalls zaunfrei. Die im Fachjournal Oryx veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass die Maßnahmen wirken: Die Khulan überqueren die ehemalige Barriere regelmäßig in mehreren Gruppen und wurden inzwischen zu Hunderten auf der Ostseite gesichtet. „Die Dokumentation, dass Khulan diese langjährige Barriere überqueren und sich in ihrem früheren Verbreitungsgebiet wieder ansiedeln, stellt einen außergewöhnlichen Naturschutzdurchbruch dar“, sagte Studienleiter Buuveibaatar Bayarbaatar.
Warum das wichtig ist
Die Wiederbesiedlung der Ostmongolei ist nicht nur ein Erfolg für den Artenschutz, sondern ein Modell für die Wiedervernetzung fragmentierter Landschaften weltweit. Für den Khulan, der auf saisonale Wanderungen zwischen Weidegebieten und Wasserstellen angewiesen ist, bedeuten offene Korridore das Überleben in einer extrem variablen und ariden Umgebung. Die Maßnahmen zeigen, dass Infrastrukturprojekte wie Eisenbahnen nicht zwangsläufig zu dauerhaften Barrieren werden müssen – wenn Politik, Wissenschaft und Wirtschaft kooperieren. „Die Rückkehr der Khulan in die Ostmongolei spiegelt jahrelange Zusammenarbeit mit Provinzbehörden, Grenzschutzbehörden und Eisenbahnbetreibern wider“, betonte Justine Shanti Alexander, WCS-Landesdirektorin für die Mongolei.
Ausblick
Die Erfolge sind nur der Anfang. Bereits jetzt laufen Pläne für ein neues lokales Schutzgebiet östlich der Eisenbahn, um die langfristige Sicherheit des Lebensraums und die Wiederbesiedlung zu unterstützen. Die Mongolei, die derzeit 13 Prozent ihrer Land- und Wasserfläche schützt, hat sich mit der Nature Conservancy darauf geeinigt, diesen Anteil auf 30 Prozent zu erhöhen – ein internationaler Standard, den das Land einst selbst vorgeschlagen hatte. Der Fall des Khulan zeigt, dass selbst nach Jahrzehnten der Isolation eine Rückkehr möglich ist, wenn die richtigen Hebel angesetzt werden.
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