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Post feuert Briefträger – und knickt ein

Nach öffentlichem Druck prüft die Schweizerische Post die Kündigung eines Briefträgers, der Pakete bis zur Wohnungstür brachte.

42 Jahre lang trug Jean-Daniel Taverney Briefe und Pakete aus, zuletzt im schweizerischen Vevey am Genfersee. Kurz vor seinem 60. Geburtstag kam die fristlose Freistellung. Der Grund: Der Briefträger hatte Pakete in die Etagen getragen – entgegen den offiziellen Vorgaben seines Arbeitgebers. Die internen Weisungen der Schweizerischen Post schreiben vor, dass Pakete im Eingangsbereich neben den Briefkästen deponiert werden, sofern sich der Haupteingang nur per Zahlencode oder Schlüssel öffnen lässt. Taverney hielt sich nicht daran – aus gutem Grund, wie er findet: In den Hausfluren seien Diebstähle häufig gewesen, deshalb habe er die Pakete weiter in die Etagen gebracht. Auch eine zweite Sparvorgabe missachtete der 59-Jährige: B-Post, die aus Kostengründen nur noch jeden zweiten Tag zugestellt werden soll, brachte er teils früher zu den Empfängern. „In der Stadt muss man sowieso überallhin“, sagt er. Sein Credo: Die Servicequalität dürfe nicht sinken, um Geld zu sparen – die Post sei schließlich ein Dienst an der Bevölkerung.

Im Februar wurde Taverney entlassen, sein Vertrag lief noch bis Ende Mai. Im Kündigungsschreiben verwies die Post auf mehrere Abmahnungen wegen Nichteinhaltung der Prozesse – und auf seinen wiederholt geäußerten Widerspruch. Brisant: Taverney war gewerkschaftlich stark engagiert und hatte zuvor eine lokale Umstrukturierung kritisiert, die er für schädlich für die Teams hielt. Die Gewerkschaft Syndicom spricht von einer ungerechtfertigten und missbräuchlichen Kündigung und forderte in einem Brief die Wiedereinstellung. Virginie Zürcher, Syndicom-Leiterin für die Westschweiz, sieht den Fall als Symbol für das Klima im Unternehmen: Gerade altgediente Angestellte hätten das Gefühl, ihre Arbeit im Dienst der Allgemeinheit verliere ihren Sinn.

Der Fall löste in der Schweiz einen Sturm der Entrüstung aus. Allein auf einem Newsportal sammelten sich innerhalb von 24 Stunden Hunderte Kommentare – die meisten scharf kritisch gegenüber dem „gelben Riesen“. Ein Leser brachte es auf den Punkt: Angesichts all der gestohlenen Pakete verdiene dieser Mann keine Kündigung, sondern eine Medaille. Der öffentliche Druck zeigt Wirkung. „Wir nehmen den konkreten Fall ernst“, teilte die Post mit – und kündigte an, das Dossier des Briefträgers noch einmal vertieft zu analysieren. Einen Zusammenhang zwischen der Kündigung und Taverneys Gewerkschaftsengagement bestreitet das Unternehmen, Einzelfälle kommentiert es grundsätzlich nicht. Taverney selbst gibt sich wenig optimistisch, hofft aber weiter auf eine Rückkehr – und zeigt sich überwältigt von der Solidarität: Nie hätte er gedacht, dass seine Geschichte eine solche nationale Dimension annimmt.

Der Fall steht exemplarisch für den Umbruch bei der Post – in der Schweiz wie in Deutschland. 2024 stellte die Schweizerische Post noch 1,556 Milliarden Briefe zu – vor 20 Jahren war es fast das Doppelte. Während das Briefvolumen sinkt, explodiert die Zahl der Pakete – und der Druck auf die Zusteller wächst. In Vevey arbeiten laut Taverney derzeit nur sechs Briefträger statt der vorgesehenen zehn, Überstunden häufen sich. Übrigens: Wer in der Schweiz sicher sein will, dass Pakete an der Wohnungstür landen, muss zahlen. Die dauerhafte Zustellung in die Etage kostet 20 Franken pro Jahr und Person – 40 Franken pro Haushalt. Genau der Service also, für den Jean-Daniel Taverney seinen Job verlor.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

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„Ein Briefträger bringt Pakete bis zur Wohnungstür – und wird gefeuert. Jetzt kippt die Stimmung. Die Post knickt ein."

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