Puerto Ricos Fischer kämpfen ums Überleben – und gewinnen
Durch Eigeninitiative und Gemeinschaftssinn eröffnen Fischer auf Culebra eine Fischmarkt wieder – ein Symbol gegen Bürokratie und Klimawandel.

Tomás Ayala ist 50 Jahre alt und fischt seit seinem achten Lebensjahr vor der Küste der Insel Culebra, die zu Puerto Rico gehört. Mit einer Harpune taucht er in die dunkle See, um Zackenbarsche und andere Riffische zu erlegen. Doch der Klimawandel macht die Arbeit schwerer: Die Wassertemperaturen steigen, die Fischbestände schrumpfen. Hinzu kommt ein bürokratischer Dschungel: Für ihre Arbeit brauchen die Fischer Genehmigungen von über einem Dutzend Behörden – von der puerto-ricanischen Landwirtschaftsbehörde über die US-Küstenwache bis zur Umweltbehörde EPA. Jede Genehmigung kostet Zeit und Geld.
Doch die Fischer von Culebra haben sich nicht entmutigen lassen. Gemeinsam mit dem Meereswissenschaftler Nicolás Gómez Andújar, dessen Vater selbst Fischer ist, beschlossen sie, ihre verlassene „villa pesquera“ – ein Fischmarkt mit Kühlhäusern und Reinigungsstationen – wiederzubeleben. Die Anlage war 2002 wegen politischer Streitigkeiten und fehlender Gelder geschlossen worden. Vier Jahre lang sammelten sie Spenden, organisierten Arbeitskräfte und kämpften um Genehmigungen. Im Oktober 2024 wurde der Markt feierlich wiedereröffnet – Hunderte der knapp 2.000 Inselbewohner feierten mit.
Der Fischmarkt ist mehr als ein Verkaufsort: Er ist das Herz der Fischereigemeinschaft. Hier treffen sich die Mitglieder der Fischervereinigung wöchentlich, um Probleme zu besprechen – etwa die Beantragung von Genehmigungen für eine Austernfarm oder die Bergung alter Fischernetze vom Meeresboden. Die Initiative zeigt, wie wichtig lokale Selbstorganisation ist, denn die offizielle Fischereiverwaltung in Puerto Rico ist zersplittert. Seit 1990 ist keine zentrale Behörde mehr zuständig; die Zuständigkeiten verteilen sich auf mehrere Ministerien und Ämter. Das erschwert den Fischern die Anpassung an den Klimawandel.
Dabei könnte die Fischerei eine Schlüsselrolle für die Ernährungssicherheit der Insel spielen. Puerto Rico importiert fast alle Lebensmittel, die Armut ist hoch. Die 12 aktiven Fischmärkte tragen jährlich über drei Millionen Dollar zur Wirtschaft bei. Eine Studie der Naturschutzorganisation The Nature Conservancy zeigt, dass die Genehmigungsverfahren für kleine Fischzüchter unverhältnismäßig teuer sind. Die Fischer fordern daher eine zentrale Anlaufstelle und weniger Bürokratie. Ihr Erfolg auf Culebra ist ein Hoffnungszeichen – aber ohne strukturelle Reformen bleibt die Zukunft der kleinen Fischerei unsicher.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Stell dir vor, du kämpfst vier Jahre lang gegen Bürokratie, um deinen Arbeitsplatz zu retten – und dann feiern 200 Leute mit dir. Genau das ist auf Culebra passiert."
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