Reflektierende Dachfarbe kühlt Häuser in Afrika
In Südafrika und Ghana senkt eine spezielle Farbe die Innentemperatur um bis zu 4 Grad – und verbessert den Schlaf tausender Menschen.

Die Idee klingt einfach: Eine Farbe, die Sonnenstrahlen reflektiert statt sie zu speichern, aufs Dach gestrichen – und drinnen wird es kühler. Doch als die Epidemiologin Lara Dugas und der Klimaforscher Mark New vor einigen Jahren nach bestehenden Hitzeschutz-Maßnahmen in afrikanischen Gemeinden suchten, fanden sie keine einzige. Also entwickelten sie selbst ein Projekt: die „Heat Adaptation Benefits for Vulnerable Groups in Africa“-Initiative.
Die Wahl fiel auf ein südafrikanisches Produkt namens Rhinoluxe Heat Reflect – eine infrarot-reflektierende Farbe, die ursprünglich für Gewerbegebäude und Hühnerställe entwickelt wurde. Sie ist lokal hergestellt, bezahlbar und skalierbar. Zwei Jahre später waren Dächer in vier Gemeinden gestrichen: im Township Khayelitsha bei Kapstadt, im ländlichen Mphego in Südafrika sowie in Ga-Mashie und Nkwantakese in Ghana.
Drei Sommer lang sammelten die Forscher Daten von 240 Häusern. Das Ergebnis: In den gestrichenen Häusern blieb es während der heißesten Tageszeit im Schnitt drei bis vier Grad Celsius kühler. In Khayelitsha wurden 30 gestrichene Häuser mit 30 ungestrichenen verglichen. Für die Bewohner macht das einen spürbaren Unterschied. Sylvia, eine 49-jährige alleinerziehende Mutter aus Khayelitsha, berichtet, dass ihre Kinder jetzt endlich schlafen können. Früher weinte das jüngste Kind vor Hitze, die älteren konnten sich nicht konzentrieren. „Es ist immer noch heiß“, sagt sie, „aber wir können jetzt bequem drinnen sein, wenn die Sonne brennt. Meine Kinder schlafen besser. Für mich bedeutet das alles.“
Die Forscher konzentrieren sich bewusst auf den Schlaf als Messgröße. Einen direkten Zusammenhang zwischen Hitze und chronischen Krankheiten wie Diabetes nachzuweisen, würde Jahrzehnte dauern. Schlafstörungen aber zeigen sich sofort – und die wissenschaftliche Verbindung zwischen schlechtem Schlaf und schlechter Gesundheit ist bereits gut belegt. „Schlechter Schlaf führt zu psychischen Problemen, verschlechtert bestehende Krankheiten wie Bluthochdruck“, erklärt Dugas.
Bongani, ein 42-Jähriger aus Khayelitsha, dessen Dach noch nicht gestrichen ist, beschreibt die Belastung: „Hitze ist der schlimmste Teil meines Tages. Unsere Zinkhäuser speichern die Wärme bis in die Nacht. Wir können nicht richtig schlafen und wachen schon erschöpft auf. Die Hitze macht mich müde und wütend, manchmal kann ich nicht klar denken.“ Wenn es zu heiß wird, geht er zu einem Freund – der hat ein gestrichenes Dach.
Um die Wirkung wissenschaftlich zu belegen, tragen die Teilnehmer dreimal pro Sommer Schlaf- und Bewegungsmesser sowie Körpertemperatursensoren. In den Häusern messen Geräte kontinuierlich Temperatur und Luftverschmutzung. Dazu kommen Blutzucker-, Blutdruck- und Urintests. „Anekdoten bringen einen nur begrenzt weiter“, sagt Dugas. „Jemand kann sagen, er habe schlecht geschlafen – aber wir müssen beziffern, wie schlecht genau.“
Das Projekt läuft in einem Land, das laut einem Lancet-Bericht von 2025 im Jahr 2024 durchschnittlich 13 Hitzewellentage erlebte – 80 Prozent davon wären ohne Klimawandel nicht aufgetreten. Die betroffenen Gemeinden gehören zu den am wenigsten geschützten.
Die HeatNexus-Initiative des Wellcome Trusts fördert insgesamt neun Projekte. Für Dugas hat dieses ihre Karriere neu ausgerichtet: „Es ist besonders erfüllend, Arbeit mit direkter und messbarer Wirkung zu machen. Wenn man ein Dach streicht, kann man das Leben der Menschen sofort verändern.“ Der Postdoktorand Vuyisile Moyo, der drei Sommer lang in Khayelitsha zwischen den Häusern unterwegs war, denkt praktisch: „In einer idealen Welt wäre jedes Dach gestrichen. Aber wir sollten mit Schulen und Kliniken anfangen.“
Die formellen Gesundheitsdaten werden noch ausgewertet. Doch eines ist jetzt schon klar: Die Lücke, die das Projekt schließen wollte – das völlige Fehlen einer Evidenzbasis für Hitzeschutz in Afrika – hat nun einen Anfang.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
So erzählst du es weiter
„Stell dir vor, eine einzige Farbschicht auf dem Dach macht dein Zuhause 4 Grad kühler. Genau das passiert gerade in Südafrika und Ghana."
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