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So vermeidest du News-Überflutung

69 % der Kanadier meiden Nachrichten – Forscher zeigen, wie man informiert bleibt ohne zu verzweifeln.

Beat: Innovation & Wirtschaft · Peer-Review

Stell dir vor, du stehst unter einem Wasserfall – aber statt Wasser prasselt ununterbrochen schlechte Nachrichten auf dich ein. Genau so beschreiben es viele Menschen, die ihr Handy morgens nicht mehr als Erstes checken. Laut dem Reuters Institute Digital News Report 2025 vermeiden 69 Prozent der Kanadier zumindest gelegentlich die Nachrichten. Weltweit sind es 40 Prozent – der höchste je gemessene Wert. Die Gründe sind immer dieselben: Die Nachrichten machen schlechte Laune, fühlen sich überwältigend an und lassen einen ohnmächtig zurück.

Doch das ist kein Zeichen von Schwäche oder Desinteresse, erklärt Ali Jasemi, Entwicklungspsychologe an der Wilfrid Laurier University. Es ist die logische Reaktion eines Gehirns, das für eine ganz andere Welt gebaut wurde. Jahrtausendelang mussten unsere Vorfahren nur auf lokale Gefahren achten – ein Rascheln im Gebüsch, eine unbekannte Stimme. Wer zu viel Aufmerksamkeit auf Schönes verschwendete, überlebte seltener. Diese sogenannte Negativitäts-Bias ist eine der am besten belegten Erkenntnisse der Kognitionswissenschaft: Negative Informationen wiegen schwerer, werden schneller wahrgenommen und länger erinnert.

Das Problem: Unser Gehirn hat sich seit der Steinzeit nicht verändert. Was sich geändert hat, ist die Größe der Welt, die es nach Bedrohungen absuchen soll. Ein Krieg hier, ein Finanzcrash dort, eine Klimakatastrophe und ein Gewaltverbrechen – alles vor dem Mittagessen. Eine Studie in Nature Human Behaviour analysierte über 105.000 echte Schlagzeilen mit fast sechs Millionen Klicks: Jedes zusätzliche negative Wort steigerte die Klickrate, positive Wörter senkten sie. Unser Körper reagiert messbar stärker auf negative Nachrichten, noch bevor der Verstand entschieden hat, ob die Bedrohung überhaupt relevant ist.

Forscher haben dafür sogar einen klinischen Begriff eingeführt: „Problematic News Consumption“ (PNC) – ein Muster, bei dem Nachrichtenkonsum zu Besessenheit, Dysregulation und Störung des Alltags führt. In einer Studie von 2022 erfüllten 17 Prozent der amerikanischen Erwachsenen die Kriterien für schwere PNC. Von ihnen fühlten sich 61 Prozent häufig oder sehr häufig unwohl – gegenüber nur sechs Prozent derjenigen ohne PNC. Besonders betroffen sind Minderheiten, die Gewalt gegen ihre eigene Gruppe miterleben, auch wenn sie nicht direkt Ziel sind.

Die Lösung ist nicht, einfach wegzuschauen. Eine Demokratie braucht informierte Bürger. Der Ausweg liegt in einem bewussteren Umgang: Nachrichtenkonsum auf feste Zeitfenster begrenzen, lieber einen gut recherchierten langen Artikel lesen als Dutzende emotionale Kurzposts. Entscheidend ist auch die Unterscheidung zwischen Information und Handlung – die Forschung zeigt, dass die Lücke zwischen Wissen und Tun einer der stärksten Stressauslöser ist. Wer sich fragt: „Was kann ich konkret tun?“, gewinnt Kontrolle zurück. Und schließlich: „Rage Bait“ erkennen – Inhalte, die bewusst provozieren, um Engagement zu erzeugen. Die Nachrichten werden nicht leichter werden. Aber unser Umgang mit ihnen kann bewusster werden.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

So erzählst du es weiter

„Unser Gehirn ist nicht für die heutige Nachrichtenflut gemacht – aber wir können lernen, damit umzugehen. Spannend, oder?"

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