Solarstrom wächst so schnell, dass er Erdgas überholt
Wind und Sonne lieferten im April 2026 erstmals mehr Strom als Erdgas – weltweit 22 zu 20 Prozent.

Ein Terawatt ist eine unvorstellbar große Menge Strom – ungefähr das Tausendfache eines großen Kohlekraftwerks. Genau diese Einheit zeigt gerade, wie sehr sich das weltweite Energiesystem beschleunigt.
Für das erste installierte Terawatt Solarenergie brauchte die Welt fast 68 Jahre. Das zweite kam nach rund zwei weiteren Jahren dazu, das dritte bereits nach 19 Monaten – Anfang 2026 war die 3-Terawatt-Marke erreicht, und das Tempo nimmt weiter zu. Allein im Jahr 2025 wurden weltweit 664 Gigawatt neue Solarkapazität installiert, 12 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Im ersten Quartal 2026 entfielen in den USA 91 Prozent der neu ans Stromnetz angeschlossenen Kapazität auf Solar- und Batteriespeicher zusammen, wie die Energie-Rechercheorganisation Ember berichtet. Noch bedeutsamer: Im April 2026 erzeugten Wind- und Solaranlagen zusammen weltweit erstmals mehr Strom als Erdgas – 22 zu 20 Prozent der globalen Stromerzeugung.
Getragen wird dieser Schub inzwischen von anderen Ländern als noch beim ersten Terawatt, das vor allem in wohlhabenden Staaten mit hohen Subventionen entstand. China ist heute für mehr als die Hälfte aller weltweiten Solarinstallationen verantwortlich; chinesische Hersteller haben die Preise für Solarmodule so weit gedrückt, dass sich Solarstrom auch in Ländern rechnet, die sich das vor zehn Jahren nicht hätten leisten können. Besonders schnell wächst die Solarenergie dort, wo der Bedarf am größten ist: In Pakistan, Nigeria, auf den Philippinen und in Kuba installieren immer mehr Haushalte eigene Solaranlagen auf dem Dach, um steigenden Kosten für fossile Brennstoffe zu entkommen. Die Zahl der Länder mit mindestens einem Gigawatt installierter Solarleistung ist von 42 im Jahr 2020 auf inzwischen 74 gestiegen; der Anteil von Solarstrom an der weltweiten Stromerzeugung stieg im selben Zeitraum von drei auf rund neun Prozent.
Das Tempo bringt aber auch Probleme ans Licht: In China wächst die Solarkapazität schneller als die Stromleitungen und Speicher, die den erzeugten Strom aufnehmen können – zeitweise muss überschüssiger Strom deshalb ungenutzt abgeregelt werden. Chinas neuer Fünfjahresplan setzt deshalb künftig stärker auf den Ausbau von Speichern und Netzen, statt nur neue Kapazität zu bauen. „Ohne genug Speicherkapazität lässt sich das Potenzial der Solarenergie nicht ausschöpfen", sagt Lara Hayim, Leiterin der Solarforschung beim Analysehaus BloombergNEF. Länder wie Pakistan und die Philippinen, in denen Solarenergie besonders schnell wächst, bauen deshalb parallel auch ihre Batteriespeicher aus.
BloombergNEF rechnet bis 2036 mit mehr als 9 Terawatt installierter Solarleistung weltweit – dem Dreifachen der heutigen Kapazität. Nach dem Tempo der vergangenen zwei Jahre wäre es keine Überraschung, wenn auch diese Prognose am Ende übertroffen würde.
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„Krass: Wind und Solar liefern inzwischen mehr Strom weltweit als Erdgas – 22 zu 20 Prozent, zum ersten Mal überhaupt."
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