Syrien: UN sieht Chance auf bessere Zukunft
1,6 Mio. Flüchtlinge kehrten zurück, humanitäre Hilfe erreicht 3 Mio. Menschen im ersten Quartal 2025.

Nach mehr als einem Jahrzehnt Krieg und Vertreibung zeichnet sich in Syrien eine vorsichtige Wende ab. Die Vereinten Nationen berichten von „klaren Anzeichen des Fortschritts“ – und das in einem Land, das noch immer mit den Folgen eines der schwersten humanitären Krisen unserer Zeit kämpft.
Seit Dezember 2024 sind rund 1,6 Millionen Flüchtlinge aus dem Ausland nach Syrien zurückgekehrt, dazu kommen fast zwei Millionen Binnenvertriebene, die wieder in ihre Heimatorte ziehen. Die UN-Hilfsprogramme erreichten im ersten Quartal 2025 rund drei Millionen Menschen in 3.000 Gemeinden. „Mit mehr Unterstützung ließe sich noch viel mehr erreichen“, sagte Indrika Ratwatte, der stellvertretende UN-Nothilfekoordinator, vor dem Sicherheitsrat.
Doch die Lage bleibt fragil. Viele Rückkehrer haben kein Dach über dem Kopf, keine Arbeit und keinen Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen. Die humanitären Bedürfnisse sind weiterhin akut, die Vertreibung hält an. Die UN betont, dass Rückkehr nur dann nachhaltig ist, wenn sie freiwillig, sicher und würdevoll erfolgt – und wenn die Menschen vor Ort eine Perspektive haben.
Um diesen Übergang zu schaffen, hat die syrische Regierung eine „Erklärung nationaler Wiederaufbauprioritäten“ vorgelegt. Gemeinsam mit den UN wurde das Konzept „No Camps, No Tents“ entwickelt: kein dauerhaftes Lagerleben mehr, sondern echte Integration in die Gesellschaft. Dafür braucht es aber nicht nur humanitäre Hilfe, sondern auch Investitionen in Infrastruktur, Wirtschaft und soziale Dienste.
Der humanitäre Appell der UN für Syrien in Höhe von 2,92 Milliarden US-Dollar ist bislang erst zu 20 Prozent finanziert. Ratwatte forderte den Sicherheitsrat auf, die Hilfe verlässlich und flexibel zu finanzieren, den Übergang von Nothilfe zu Entwicklung zu unterstützen und in den Wiederaufbau zu investieren. „Wir müssen die dringenden Bedürfnisse von heute stillen und gleichzeitig die Grundlagen für dauerhafte Stabilität und Wohlstand legen.“
Auch politisch bleibt die Lage angespannt. Der stellvertretende UN-Sondergesandte Claudio Cordone berichtete von Fortschritten bei den Wahlen, aber auch von Verzögerungen bei der Bildung des Parlaments. Die wirtschaftlichen Bedingungen sind schwierig, die Sicherheitslage ist fragil. Israel verletzt weiterhin das Truppenentflechtungsabkommen von 1974 mit täglichen Einfällen im Süden Syriens. Extremistische Netzwerke wie der IS sind noch aktiv, die syrischen Sicherheitskräfte haben in den letzten drei Monaten über 230 mutmaßliche Terroristen festgenommen.
Trotz aller Herausforderungen bleibt die Botschaft der UN: „Es gibt jetzt eine echte Gelegenheit, den Syrern zu helfen, vom Überleben zur Erholung überzugehen.“
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„Hast du mitbekommen, dass in Syrien langsam wieder Normalität einkehrt? 1,6 Millionen Flüchtlinge sind zurückgekehrt."
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