UN-Chef präsentiert Sieben-Punkte-Plan für saubere Energie
António Guterres fordert schnellen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und mehr Klimagerechtigkeit.

Die Welt steckt in mehreren Krisen gleichzeitig: Eine tödliche Hitzewelle in Europa, steigende Energiepreise durch den Nahost-Konflikt und die Folgen des Klimawandels. Für UN-Generalsekretär António Guterres haben all diese Probleme eine gemeinsame Ursache: die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie Öl, Kohle und Gas. In einer Grundsatzrede in London präsentierte er nun einen detaillierten Plan, wie der Ausstieg aus diesen Energieträgern gelingen kann.
Der Kern des Plans: Die Emissionen von Treibhausgasen müssen sofort ihren Höhepunkt erreichen und dann schnell sinken, bis 2050 auf netto null. Netto null bedeutet, dass nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, als gleichzeitig wieder gebunden werden können. Besonders dringlich ist der Kampf gegen Methan, ein Gas, das etwa 80-mal stärker wirkt als Kohlendioxid, aber schneller abgebaut wird. Guterres erinnerte daran, dass die Welt bereits erfolgreich verbleites Benzin und ozonschädigende Chemikalien verboten habe – Methan müsse das nächste Ziel sein.
Ein zentraler Punkt ist die Beschleunigung der erneuerbaren Energien. Seit 2010 sind die Kosten für Solarenergie um fast 90 Prozent gefallen, für Windkraft an Land um über 70 Prozent und für Batteriespeicher um 95 Prozent. Erneuerbare Energien vermeiden inzwischen mehr Kohlendioxid-Emissionen, als die USA, die EU und Japan zusammen ausstoßen. Die Investitionen in saubere Energie sind fast doppelt so hoch wie die in fossile Brennstoffe. Guterres betonte: „Es gibt keine Embargos auf Sonnenlicht und keine Blockaden für den Wind.“
Der UN-Chef forderte die Regierungen auf, Subventionen für neue fossile Projekte zu streichen und stattdessen die Gewinne der großen Ölkonzerne zu besteuern. Allein die acht größten Unternehmen hätten im ersten Quartal dieses Jahres zusätzlich 6,5 Milliarden Dollar eingenommen. Dieses Geld solle in den Umbau der Energieversorgung und in Hilfen für besonders betroffene Gemeinschaften fließen.
Erstmals sprach Guterres auch die Umweltauswirkungen der Künstlichen Intelligenz an. Die Rechenzentren von KI-Unternehmen verbrauchen bereits heute mehr Strom als die meisten Länder. Bis 2030 könnten sie so viel Wasser benötigen, wie alle 1,3 Milliarden Menschen in Subsahara-Afrika in einem Jahr zum Trinken brauchen. Der UN-Chef forderte die Unternehmen auf, ihren kompletten ökologischen Fußabdruck offenzulegen und ihre Rechenzentren bis 2030 vollständig mit erneuerbarer Energie zu betreiben.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Klimagerechtigkeit. Entwicklungsländer haben oft die besten Voraussetzungen für Solarenergie – etwa 60 Prozent des weltweit besten Solarpotenzials liegen in Afrika –, erhalten aber nur zwei Prozent der globalen Investitionen in saubere Energie. Guterres forderte, die Kreditvergabekapazitäten der Weltbank und anderer Entwicklungsbanken in Höhe von 600 bis 800 Milliarden Dollar „aggressiv“ für den Klimaschutz zu nutzen. Die reichen Länder müssten zudem ihre Zusagen einhalten, die Finanzierung für Anpassungsmaßnahmen zu verdoppeln und langfristig zu verdreifachen.
Der Sieben-Punkte-Plan ist kein bindendes Abkommen, sondern eine politische Leitlinie. Guterres appellierte an die Führungsstärke der G20-Staaten, die für rund 80 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich sind. Die nächste UN-Klimakonferenz COP31 in der Türkei soll den Fahrplan weiter konkretisieren. Der Generalsekretär machte deutlich: „Der Übergang selbst steht nicht mehr in Frage. Er wird entweder gestaltet oder chaotisch, fair oder ungleich, eine Quelle der Stabilität oder der Spaltung – diese Wahl liegt noch bei uns.“
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„Stell dir vor: Sonne und Wind könnten uns komplett unabhängig machen von Öl-Diktatoren. Der UN-Chef hat einen Plan dafür vorgestellt."
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