UN schafft absurde Rückzahlungsregel ab
Die UN muss künftig nur noch tatsächlich erhaltene Gelder zurückzahlen – das verhindert eine drohende Zahlungsunfähigkeit.

Die Vereinten Nationen haben eine jahrzehntealte Finanzregel abgeschafft, die von Kritikern als „kafkaesk“ bezeichnet wurde. Bislang war die Organisation verpflichtet, nicht ausgegebene Mittel an die Mitgliedsstaaten zurückzuzahlen – selbst dann, wenn diese Gelder nie eingezahlt worden waren. Die Reform wurde am Dienstag von der UN-Generalversammlung auf Empfehlung ihres Haushaltsausschusses verabschiedet.
Hintergrund ist eine akute Liquiditätskrise der UN. Viele Regierungen zahlen ihre Pflichtbeiträge verspätet oder gar nicht. Ende 2025 beliefen sich die ausstehenden Zahlungen auf Rekordhöhe von 1,6 Milliarden US-Dollar. Insgesamt schulden die Mitgliedsstaaten der Organisation mehr als 6,5 Milliarden Dollar – verteilt auf den regulären Haushalt, Friedensmissionen und zwei internationale Gerichte.
UN-Generalsekretär António Guterres begrüßte die Entscheidung. Die alten Regeln hätten die Stabilität der Organisation gefährdet. „Durch diese Abstimmung hat die Versammlung einer neuen Methodik zugestimmt, die sicherstellt, dass nicht ausgegebene Mittel nur dann an die Mitgliedsstaaten zurückgezahlt werden, wenn sie auch tatsächlich als Bargeld vorliegen“, erklärte er. Die Regeländerung gelte zunächst für vier Jahre.
Die Reform sei „entscheidend für unsere unmittelbare operative Kontinuität, insbesondere bei Friedensmissionen“, so Guterres weiter. Sie sei auch eine wichtige Verbesserung für seinen Nachfolger, der im Januar 2026 das Amt übernimmt. Dieser müsse nicht länger Gelder zurückzahlen, die „allzu oft nie eingegangen“ seien.
Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock, die derzeit Präsidentin der UN-Generalversammlung ist, hatte das Thema im Februar vor dem Europäischen Parlament angesprochen. Sie forderte die europäischen Länder auf, Vorschläge zur Abschaffung dieser „kafkaesken Finanzregel“ vorzulegen. Nach der Abstimmung erklärte sie: „Mit dieser wegweisenden Resolution hat die Generalversammlung den drohenden finanziellen Kollaps der UN abgewendet und eine veraltete, 75 Jahre alte Finanzregel modernisiert, die zu lange die finanzielle Stabilität der Organisation untergraben hat.“
Die Entscheidung sende auch eine „breitere Botschaft, dass die Mitgliedsstaaten der UN-Generalversammlung in zersplitterten Zeiten zusammenkommen können, um entschlossene Maßnahmen zu ergreifen“, so Baerbock. Die UN hatte zu Jahresbeginn strenge Sparmaßnahmen verhängt, um Ausgaben zu reduzieren und zu verzögern. Guterres hatte die Mitgliedsstaaten aufgefordert, entweder ihre Zahlungsverpflichtungen vollständig und pünktlich zu erfüllen oder die Finanzregeln grundlegend zu reformieren, um einen „bevorstehenden Zusammenbruch“ zu verhindern.
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„Die UN musste Geld zurückzahlen, das sie nie bekommen hatte. Klingt absurd? War es auch. Jetzt wurde die Regel abgeschafft."
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